Vom Wacker-Buhmann zum Helden: Perstaller setzte sich Denkmal

Er kam, sah und siegte: Wackers Joker Julius Perstaller, der nach Ried wechselt, schoss Wacker in seinem letzten Spiel beim WAC ins Glück. Regie führte auch Coach Kirchler.

Von Alex Gruber

Wolfsberg –Ein Foto mit Ried-Manager Reiter inmitten des Wackeren Abstiegskampfs war wie ein Stich ins Herz der schwarzgrünen Fangemeinde. „Wie kann er nur, der Julius?“, dachten sich da einige. Coach Roli Kirchler entgegnete vor einigen Tagen nur knapp: „Wenn er weiterhin alles gibt, werde ich ihn auch bringen.“

Der Spielverlauf in Wolfsberg in der 36. und letzten Runde zwang Kirchler gestern dazu, alle Register zu ziehen. Und er brachte Perstaller bei 0:2 in Minute 66 aufs Feld. Dabei hätten andere Trainer da den Julius vielleicht keines Blickes mehr gewürdigt.

„Es ist in den letzten Monaten nicht alles gutgelaufen für mich. Ich freue mich, dass ich mich mit so einem Geschenk vom Verein und den Fans verabschieden kann. Ich hoffe, dass sich viele mit mir freuen“, strahlte der „Perstl“ gestern nach nervenaufreibenden 90 Minuten übers ganze Gesicht.

Zuerst stand er nach einem Bergmann-Stanglpass da, wo ein Mittelstürmer eben stehen muss, und erzielte das 1:2 (72.), ehe er in Minute 78 mit einer Granate aus 20 Metern, mit dem „falschen“ linken Fuß, zum 3:2-Siegtreffer endgültig den Vogel abschoss: „Ich habe mir einfach nur gedacht, die Kugel muss rein, habe einfach nur draufgehauen und nicht einmal gesehen, wohin der Ball geht“, grinste der Inzinger inmitten der zahllosen Herzlichkeiten, die ihm von den Wacker-Anhängern entgegengebracht wurden. Das Perstaller-Trikot war heiß begehrt. „Unglaublich, man darf die Hoffnung nie verlieren. Ich bin begeistert, dass ich mitgeholfen habe, dass wir oben bleiben. Wir haben bis zum Ende mit Leidenschaft gespielt. Jetzt werden wir feiern gehen“, leitete der 24-jährige Matchwinner die Party im Bus ein, ehe er im Sommer für Ried auf Torjagd gehen wird.

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„Ich bin normal ein echt lockerer Typ, aber heute habe ich phasenweise mein Herz nicht mehr gespürt. Ich war nah am Herzinfarkt, bin immer noch sprachlos und überwältigt“, rang Kirchler den Tränen nahe mit der Fassung. Der 0:2-Rückstand und die Zwischenstände bei den anderen Partien hatten auch den Wacker-Trainer im zweiten Durchgang zunächst an die Bank gefesselt: „Ich freue mich einfach riesig. Nach dem 0:2 habe ich nicht mehr daran geglaubt, dass wir dieses Spiel noch gewinnen. Umso schöner ist es jetzt. Es war ein unglaubliches Spiel, mit vielen Emotionen und besser und schöner kann es nicht sein. Wir haben die ganze Saison daran geglaubt“, zitterte die Stimme des Watteners noch Minuten nach dem Abpfiff. „Roli Kirchler“, feierten die Fans den Heilsbringer, der in Runde elf und bei nur drei Punkten die Agenden von Vorgänger Walter Kogler (gestern als Sky-Experte in Wolfsberg im Einsatz) in schier aussichtsloser Situation übernommen hatte. „Wenn wir oben bleiben, kann in Innsbruck wieder etwas wachsen“, diktiert Kirchler schon seit Wochen in die Notizblöcke, ehe die Party anstand: „Beim Feiern war ich auch schon in meiner aktiven Karriere nicht so schlecht“, grinste er wie ein Spitzbub. Ein Wort zum Perstl? „Ich habe gesagt, dass ich ihn bringe, wenn er alles gibt. Dieser Abschied ist natürlich ein Wahnsinn.“ Ein Ritterschlag für Julius.


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