Der Klassenbeste, der es bleiben will

Nächste Woche führt Mercedes die neue S-Klasse in den Markt ein – mit einer noch nie dagewesenen Fülle an Komfort- und Sicherheitstechnik und einem auf lange Sicht überraschenden Antriebs-Portfolio.

Im Luxussegment gab Daimler in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder den Ton an, musste aber einige Male mit hartnäckiger Konkurrenz kämpfen. So ist es auch derzeit: Audi hat mit dem kurz vor einem Facelift stehenden A8 eine noble und vielseitige Limousine für die begüterte Kundschaft auf die Räder gestellt; und BMW bietet mit dem im vergangenen Jahr überarbeiteten 7er gleichermaßen ein veredeltes Produkt an. Doch beide Stufenheckmodelle fahren nun in einen großen Schatten, den die neue S-Klasse ab 19. Juli, dem Tag der österreichischen Markteinführung, wirft. Mag sein, dass der Mercedes nicht so den Dynamiker raushängt wie die beiden bayerischen Mitbewerber – bezüglich Komfort- und Sicherheitstechnik läutet er eine neue Ära ein. Der luxuriöse Schwaben-Bau ermöglicht mit der weiterentwickelten Distronic Plus erstmals ein teilautonomes Staufolgefahren. Die S-Klasse beherrscht bei Aktivierung dieser Funktion nicht nur das übliche Stop-and-Go-Fahren, das sich am Verhalten des Vordermanns orientiert, sondern auch das adäquate Einlenken und damit das Spurhalten. Dabei helfen eine Stereokamera und mehrere Radarsensoren. Die erwähnten technischen Beigaben erfüllen ihren Zweck außerdem beim Vermeiden von Unfällen, indem Fußgänger und Querverkehr erkannt werden und das Fahrzeug nötigenfalls selbsttätig eingreift.

Hochauflösende TFT-Bildschirme sind in der Automobilwelt keine Seltenheit mehr, aber die von der neuen S-Klasse favorisierten Dimensionen sind neu: Gleich zwei Displays mit einer Diagonale von 12,3 Zoll (30,7 cm) dominieren das Armaturenbrett. Das linke hinter dem Lenkrad zeigt die üblichen Informationen des Kombiinstruments (unter anderem Tachometer, Drehzahlmesser, Tankinhalt), das rechte eignet sich für Navigation und Multimedia.

Einen neuen Maßstab haben die Techniker von Daimler darüber hinaus in puncto Wellness kreiert. Massagesitze finden sich inzwischen schon in dem einen oder anderen Mittelklassemodell – doch die Vielfalt der Energizing-Massagefunktion bleibt vorerst der neuen S-Klasse vorbehalten: 14 separat ansteuerbare Luftkissen in der Lehne und sechs verschiedene Programme machen manchen Aufenthalt im Spa-Hotel überflüssig.

Bewährtes und Neues befindet sich zudem unter der Motorhaube. Erwartungsgemäß bietet Mercedes die neue S-Klasse mit einem V6-Turbodiesel und einem V8-Turbobenziner an. Außerdem gibt es einen Mildhybriden (Benziner) von Anfang an, eine Fortsetzung der schon bisher angebotenen S-Klasse mit alternativem Antrieb. Dabei wird es nicht bleiben, innerhalb eines Jahres möchte Mercedes das Angebot unter anderem um einen Plug-in-Hybriden erweitern, der im Durchschnitt weniger als vier Liter Treibstoff je 100 Kilometer benötigt.

Aber zunächst zum Standardprogramm: Der Selbstzünder, der im S 350 BlueTec seine Dienste verrichtet, leistet 258 PS und benötigt zwischen 5,5 und 5,6 Litern Kraftstoff je 100 Kilometer. Der Zehntelliter-Unterschied ist auf die Fahrzeuglänge zurückzuführen: Die Kurzversion (5,12 m) verbraucht weniger, die Langversion (5,25 m) geringfügig mehr.

Beim S 500 leistet der 4,7 Liter Hubraum fassende V8-Ottomotor 455 PS und verlangt im Schnitt 8,6 Liter Benzin je 100 Kilometer, unabhängig vom gewählten Radstand. Der S 400 Hybrid mit 333 PS Leistung (V6-Benziner und E-Aggregat) gönnt sich im EU-Testzyklus 6,3 Liter Kraftstoff je 100 Kilometer. Ihm folgt nicht nur in Bälde der zuvor erwähnte Plug-in-Hybrid, sondern auch noch eine weitere Alternative: Im S 300 BlueTec Hybrid spannen die Ingenieure einen Vierzylinder-Turbodiesel (das von Mercedes präferierte 2,1-Liter-Aggregat) und einen Elektromotor zusammen. Der Mildhybrid benötigt im Durchschnitt 4,4 Liter Diesel und emittiert 115 Gramm CO2 je Kilometer – bekannt ist diese Kombination aus dem schon vorgestellten E 300 BlueTec Hybrid.

Zu den Preisen: Den S 350 BlueTec mit konventionellem V6-Turbodiesel bieten die Mercedes-Händler ab 87.650 Euro an, in Verbindung mit einem langen Radstand ab 93.100 Euro. Allen Varianten gemein ist die adaptierte Siebengangautomatik (7G-tronic plus). Für den S 400 sind 94.070 (langer Radstand: 99.960) Euro fällig, für den S 500 stolze 118.920 (Langversion: 123.490) Euro. Ab Werk erleuchten Voll-LED-Scheinwerfer die Nacht, sorgt die Klimaautomatik Thermotronic für angenehme Atmosphäre und erleichtert Comand Online die Bedienung des Multimediasystems samt Internetzugang. (hösch)


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