Von Gipfellust und Gipfelfrust

Endlich Urlaub, endlich Zeit für ausgiebiges Lesen: Fünf neue Bücher rund um das Thema Berge entführen zum Mount Everest und verführen zum Klettern und Wandern.

Von Irene Rapp

Innsbruck –2013: Das Jahr der Jubiläen, was die Bergwelt betrifft. Vor 60 Jahren wurde der Everest erstbestiegen, vor 35 Jahren standen Peter Habeler und Reinhold Messner als erste Menschen ohne die Zuhilfenahme von künstlichem Sauerstoff auf dem 8850-Meter-Gipfel. Damit nicht genug: Die Eiger-Nordwand-Durchsteigung feiert 75-Jahr-Jubiläum, vor 60 Jahren stand der Innsbrucker Hermann Buhl als Erster allein auf dem Nanga Parbat. Doch kaum ein Berg zieht die Menschen so an wie der Everest. Weil er den höchsten Punkt der Erde darstellt. Und weil vom Basislager aus eine Art Klettersteig auf den Gipfel führt, der es auch weniger Geübten ermöglicht, sich dieses Ziel in mitunter rekordverdächtigen Ausmaßen vorzunehmen.

Rekorde – ein Thema, welches ein neuerschienenes Buch zum Everest-Jubiläum dankbar aufgreift. Da wird über die ersten Expeditionen – ab dem Jahr 1921 – ebenso berichtet wie über die Ersten auf dem Dach der Welt.

Der Bildband „Mount Everest, der Berg der Rekorde“ ist dabei vom Layout her sehr ansprechend gestaltet bzw. kann mit ungewöhnlichen Fotos punkten – u. a. von einem nur mit Hut und Rucksack „bekleideten“ George Mallory, der sich 1924 auf den Everest wagte. Bis heute ist nicht klar, ob der Brite auf dem Gipfel stand oder nicht.

Das Schwarz-Weiß-Bild zeigt ihn jedenfalls am Fuße des Everest, nachdem er sich offenbar in einem Fluss gebadet hatte. Dass aktuelle Rekorde aber wieder schnell Schnee von gestern sein können, zeigt das letzte Kapitel: Der älteste Mensch auf dem Everest ist nämlich nicht mehr der angeführte Min Bahadur Sherchan aus Nepal. Seit Mai hält der Japaner Yuichiro Miura diesen Rekord. Er war zum Zeitpunkt der Besteigung 80 Jahre alt.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Viel eingehender mit der Everest-Materie beschäftigt sich Walther Lücker in „Der höchste Berg: Traum und Albtraum Everest“. Auf 525 Seiten versucht der Deutsche zu beschreiben, was seine Faszination, seinen Reiz ausmacht – und dabei wird es ob der interessanten Fakten und der lebendigen Schreibe nie langweilig. Das große Plus dieses Werkes: die aufwändige Recherche; der breite inhaltliche Bogen, der gespannt wird; nicht zu vergessen die zahlreichen Interviews, die Lücker mit Everest-Besteigern geführt hat. Bis Ende 2012 wurde der Gipfel 6176-mal bestiegen – von insgesamt 3680 Menschen. Mehr als 200 kamen dabei ums Leben. Und die Aussage eines Sherpas bleibt im Raum stehen: Dass nämlich der Everest für ein paar Jahre komplett gesperrt werden sollte. Auf dass Berg und Menschen zur Ruhe kommen können.

Wer jetzt Lust auf Berge bekommen hat und ein „echter“ Kerl ist, der kann sich das Buch „Männertouren“ genauer anschauen. Ein eigener Wanderführer für das starke Geschlecht? Ja natürlich, sagen die zehn männlichen Autoren, die die 30 Touren in den Bayerischen Alpen, darunter viele in Tirol, mit einem Augenzwinkern beschrieben haben. Das Layout: mit übersichtlichem Kartenmaterial und zahlreichen ansprechenden Fotos gestaltet. Auch die faktischen Angaben sind gut aufgeschlüsselt. Nicht zu vergessen die Beschreibungen der u. a. mehrtägigen Touren: sehr lustig beschrieben und mit Hinweisen auf Speis und Trank bzw. „nette Fehla“ – nette Mädchen.

234 nur zu Fuß erreichbare Hütten in den Alpen (Schweiz, Österreich, Liechtenstein, Italien, Deutschland) lassen sich in einem weiteren Buch nachschlagen. Urgestein Eugen E. Hüsler, der schon unzählige Bergbücher geschrieben hat, sowie die Co-Autoren Peter Deuble bzw. Janina und Markus Meier haben gebietsartig Hütten aufgelistet, deren Erreichung mit ein wenig Kraftanstrengung verbunden ist.

In Wort und Bild wird auf Geschichte und Eigenheiten der einzelnen Häuser eingegangen, nicht fehlen dürfen natürlich die wichtigsten Infos. Ein Manko: Nicht jede Hütte wird bildlich gezeigt, manchmal ist es nur ein Berg aus der näheren Umgebung oder der Zustieg – doch das sind nur einige wenige.

Bei den Infos gibt es übrigens einen interessanten Punkt: Angeführt ist bei den meisten Unterkünften das Ergebnis des DAV-Hüttentests. Der Deutsche Alpenverein bietet nämlich Bergsteigern eine Plattform an, um nach einem Besuch ihre Meinung über die Hütten kundzutun.

In die Vertikale: Arco am nördlichen Gardasee zieht nach wie vor Kletterer an – vor allem, weil man dort auch schon im Spätwinter seiner Leidenschaft frönen kann. Die zwei Südtiroler Manuel Senettin und Thomas Hofer waren für ihren Führer wohl ebenfalls im Winter unterwegs, das zumindest zeigen einige Fotos ihres Werkes „Best of Arco“, auf denen noch Schnee zu sehen ist. Aufgelistet werden darin Klettergärten in und um Arco, das Sarcatal, Judikarien, Trient sowie Rovereto. Die Aufbereitung für den „User“: hervorragend – so erfahren u. a. auch Familien, wo es für sie geeignete Gebiete gibt, oder man sieht pro Gebiet auf einen Blick, mit wie vielen Routen in welchem Schwierigkeitsgrad zu rechnen ist.

Nicht zu vergessen die Vie Ferrate: Zwei überarbeitete Neuauflagen lassen dabei keine Wünsche offen. Csaba Szepfalusi hat im „Klettersteigguide Tirol: Alle Klettersteige in Nord- und Osttirol“ (erschienen im Tyrolia-Verlag; 19,95 Euro) die aufgrund des Klettersteig-Booms notwendigen Änderungen vorgenommen. Interessant: Mehr als die Hälfte aller Klettersteige Österreichs befinden sich in Tirol. Ein kompaktes, übersichtlich gestaltetes Werk mit wertvollen Zusatzinfos.

Bereits die fünfte Auflage erschienen ist auch vom „Klettersteigführer Österreich“. Die Autoren Axel Jentzsch-Rabl, Dieter Wissekal und Andreas Jentzsch haben „alle lohnenden Klettersteige zwischen Bodensee und Wienerwald mit Steigen in Bayern und Slowenien“ darin aufgenommen (Alpinverlag, 544 Seiten, 34,95 Euro). Großes Plus für fleißige Klettersteiggeher: die beigelegte DVD mit Tourenblättern und zusätzlichen Touren.


Kommentieren


Schlagworte