Pet Shop Boys bitten zurück auf die Tanzfläche

Die Pet Shop Boys zieht es zurück in die Clubs. Mit einem Dance-Album saugen sie neueste Entwicklungen auf und wollen auch zeigen, dass Dance Music nicht das Privileg der Jugend ist.

Von Britta Gürke, dpa

London – Es dröhnt und pulsiert, Rhythmen und Rap-Einlagen treiben zum Bewegen an, fehlt nur noch Flackerlicht auf dunkler Tanzfläche. Wer steckt hinter solchen progressiven Dance-Hymnen? Das neue, am 12. Juli erscheinende Album zweier älterer Herren: Mit „Electric“ wollten die Pet Shop Boys, das Erfolgsduo aus Großbritannien, noch mal alle Pop-Regeln hinter sich lassen und sich kompromisslos der Dance Music widmen - dem Genre, das die beiden trotz Chart-Hits wie „Go West“ oder „West End Girls“ von Anfang an begleitet hat.

„Electric“ ist die direkte Antwort auf die letzte Pet-Shop-Boys-Platte „Elysium“, die erst vergangenen Herbst herausgekommen war. „Wir hatten einen echten Kreativschub“, sagt Neil Tennant, der an diesem Mittwoch 59 Jahre alt wird, über sich und Musikpartner Chris Lowe (53) bei einem dpa-Interview im Juni in London. „Elysium“ mit seinen ruhigen Klängen sollte nachdenklicher sein, gleichzeitig aber stauten sich die Dance-Songs auf. Zusammen mit Stuart Price entstand aus diesen die Tanzplatte, die auch der derzeit laufenden Tour den Rhythmus gibt.

Dance Music von technischen Veränderungen getrieben

Seit mehr als 30 Jahren machen die stylischen Briten zusammen Musik. Dass sie noch mal so entschieden an ihre Anfänge in der Dance Music zurückkommen, sei aber keinem Jugendwahn geschuldet. „Dance Music ist nicht das Privileg der Jugend. Dance Music ist zeitlos“, sagt Lowe. Sie hätten viel mit Klängen und Technik experimentiert - genau das, was ihnen Spaß mache. Allerdings sei es mittlerweile etwas schwieriger geworden, bei den technischen Entwicklungen ständig Schritt zu halten.

„Dance Music ist immer von technischen Veränderungen angetrieben worden“, erklärt Lowe. „Als wir mit dem Musikmachen angefangen habe, war der Sampler gerade erst erfunden worden. Die Original-Version von ‚West End Girls‘ haben wir mit einem einzigen Keyboard gemacht. Heute hat das Ganze viel mit Computern und der Manipulation von Klängen zu tun. Nichts davon wäre in den 1980er-Jahren möglich gewesen. Es ändert sich ständig. Und dahinter steckt immer die Technik.“

„Es ist ein Vollzeitjob, immer auf den neuesten Stand zu sein“

Gerade wenn man viel auf Tour und unterwegs sei, sei es aber wahnsinnig schwierig immer mitzuhalten, meint Lowe: „Es ist ein Vollzeitjob, immer auf dem neuesten Stand zu sein. Es gibt immer irgendein neues Gerät, eine neue Software oder eine neue Art, Sachen zu machen.“

Viele der Ideen zum Album kamen den beiden bei einem längeren Aufenthalt in Berlin, wo sie auch ein kleines Studio haben. Erst vor kurzem verließen sie das Label BMI und arbeiten jetzt nur noch für sich. Wie schafft man es, sich nicht auf die Nerven zu gehen, wenn man jahrzehntelang so eng zusammenarbeitet, ständig aufeinanderhängt und auch noch viele gemeinsame Freunde hat?

„Wir analysieren das nicht, es funktioniert einfach“, sagt Tennant. „Es gibt so etwas wie eine Art Kameradschaft. Wir machen das immerhin jetzt seit 30 Jahren. Wir haben auch nie wirklich in die Zukunft geschaut oder geplant. So kommt man nicht so unter Druck. Das meiste macht einfach Spaß.“ Ihre Tour läuft bis Ende Oktober, ein Österreich-Termin ist leider nicht dabei. Danach allerdings soll es erst mal nicht wieder direkt zurück ins Studio gehen. Tennant: „Ich glaube, bis zum nächsten Album wird es jetzt noch eine ganze Weile dauern.“


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