Die Badehose - ein unterschätztes Kleidungsstück

Die Badehose ist das meistunterschätzte Kleidungsstück. Hautenges Höschen oder sackartige Shorts? Was man wo trägt, kommt ganz darauf an. Ein Badehosen-Knigge.

Berlin, Wien – Die Badehose ist das meistunterschätzte Kleidungsstück. Der Griff zum falschen Exemplar kann etwa einen Politiker dem Gespött preisgeben. So brachte sich 2003 der damalige britische Premierminister Tony Blair mit einer eng sitzenden, vielfarbigen Badehose am Strand unfreiwillig in die Schlagzeilen. Der stilsichere Barack Obama dagegen zeigt sich beim Baden nur in Shorts, so wie es der amerikanische Wähler erwartet.

Alles, was nicht labbrig-schlabbrig ist und mindestens bis zum Knie reicht, gilt in Amerika als unmännlich. Deshalb ist die Szene aus „Meine Braut, ihr Vater und ich“, in der sich Ben Stiller eine Badehose vom Ex seiner Freundin leihen muss, für Amerikaner doppelt lustig. Was er bekommt, ist viel zu kurz und zu eng. So etwas tragen nur europäische Gigolos.

Dem Schwimmen selbst ist eine Bermudashorts natürlich abträglich. Im Wasser bläht sich das Beinkleid ballonartig auf, saugt sich voll und lastet schwer an seinem Träger. Beim Verlassen des Schwimmbeckens trieft die Hose aus allen Fasern, so dass man eine breite Feuchtspur hinter sich herzieht. Wegen des damit verbundenen Wasserverlusts haben einige ostdeutsche Freibäder die Hosen schon verboten.

In den Mittelmeerländern hat sich die Badeshorts nie richtig durchgesetzt. Die Hochburg der Speedo - der Badehose im Slip-Format - ist natürlich Italien. Dort zeigt man, was man hat und greift notfalls auf ein Modell mit Einlage zurück. Selbst im Family Resort auf Mallorca wird dieser Wonderbra für den Herrn überall angeboten. Unangenehm wird es, wenn man am Pool jemandem gegenübertritt, der sich offenkundig für das gleiche Modell entschieden hat.

Männer in Österreich geben im Durchschnitt maximal 30 Euro pro Badehose aus. Das ergab eine Umfrage von Marketagent.com im Juni. Badeshorts sind in der Alpenrepublik am Beliebtesten, solange sie über dem Knie enden.

Andre Bangert, Redakteur für Herrenmode bei der deutschen Fachzeitschrift „Textilwirtschaft“, hält folgende Faustregel für den Herrn bereit: „Je athletischer ich aussehe, desto knapper und enger darf die Hose sein.“ An dieser Stelle ergibt sich allerdings ein Problem: Empirische Studien haben mehrfach ergeben, dass es Männern sehr schwerfällt, ihr Äußeres auch nur halbwegs objektiv zu beurteilen. Sie halten sich durchweg für wesentlich attraktiver als sie in den Augen anderer erscheinen. (APA/dpa)


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