Teurere Lebensmittel heizen Inflation in China an

Die Verbraucherpreise steigen stärker als erwatet. Experten rechnen aber nicht mit einer Änderung der Geldpolitik.

Peking - Die Inflation in China steigt und macht der Notenbank angesichts des langsameren Wachstums das Leben schwer. Die Lebenshaltungskosten in der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft erhöhten sich im Juni um 2,7 Prozent verglichen mit dem Vorjahr und damit stärker als angenommen, wie die Statistiker am Dienstag mitteilten. Ein wichtiger Grund dafür seien teurere Lebensmittel.

Überhitzung am Immo-Markt?

Experten gehen nun davon aus, dass die Währungshüter in den nächsten Monaten ihre geldpolitische Haltung nicht ändern. „Wir glauben nicht, dass die Zentralbank in diesem Jahr die Zinsen anhebt oder senkt“, sagte Li Wei, Volkswirt bei der Standard Chartered Bank in Shanghai.

Das Wachstum in China lässt derzeit spürbar nach. Analysten gehen davon aus, dass die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal nur noch um 7,5 Prozent zugelegt hat. Die Daten werden am Montag veröffentlicht. Die Nachfrage ist gering, darauf deuten die rückläufigen Erzeugerpreise hin. Ab Fabrik kosteten Produkte 2,7 Prozent weniger als im Vorjahr, das ist der 16. Rückgang in Folge.

Doch zugleich steigen die Verbraucherpreise, und auch an den Immobilienmärkten droht eine Überhitzung. Auch wenn die Teuerungsrate derzeit noch unter dem Wert von 3,5 Prozent liegt, den die Regierung in Peking als Ziel nennt, befürchtet die Notenbank langfristige Inflationsrisiken. Die nun vorgelegten Inflationsdaten „reduzieren die Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsen in diesem Jahr gesenkt werden, und das ist kein günstiges Umfeld“, sagte Kevin Lai, Volkswirt bei Daiwa in Hongkong.

Umbau der Wirtschaft

Die neue Regierung von Präsident Xi Jinping und Ministerpräsident Li Keqiang treibt den Umbau der Wirtschaft voran und nimmt dazu auch ein geringeres Wachstum in Kauf. Im laufenden Jahr strebt sie Wachstumsraten von 7,5 Prozent an - das ist verglichen mit anderen Ländern viel, aber dennoch der geringste Zuwachs seit 23 Jahren. Li und Xi setzen auf Hightech-Branchen und wollen das riesige ostasiatische Land unabhängiger von Exporten machen. Dazu drehten sie Ende vergangener Woche den Branchen den Geldhahn zu, die von Überkapazitäten geplagt sind - Ausnahmen gibt es nur für Unternehmen, die das Geschäft aufgeben wollen. Eines der ersten Opfer ist die größte Privatwerft des Landes, Rongsheng, die in den vergangenen Monaten angesichts der weltweiten Überkapazitäten bei Schiffsbauern 8000 Stellen abbauen musste.

Zugleich ließ die Notenbank die Zinsen am Geldmarkt in die Höhe schnellen, um den Banken ihre Abhängigkeit von billigem Zentralbank-Geld vor Augen zu führen. Die Regierung will den ausufernden Schattenbanken-Sektor austrocknen, der sich zu einer der größten Gefahren für die Wirtschaft ausgewachsen hat. Inzwischen hat sich die Lage am Geldmarkt aber wieder beruhigt. (APA/Reuters/tt.com)


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