„Bauen ohne Erbe in Tirol unmöglich“

62 % der Tiroler sind mit ihrer finanziellen Lage zufrieden. Immobilien kosten im Schnitt 302.000 Euro.

Innsbruck –Die Tiroler wohnen deutlich teurer, sind aber mit ihrer Lebensqualität und ihrer finanziellen Situation zufriedener als die Durchschnitts­österreicher. Dieses widersprüchliche Bild zeichnete Alexander Zeh vom Marktforscher GfK Austria am Montag. Er hat im Auftrag der Sparkassengruppe und der s Versicherung 1000 Österreicher nach ihren Werten im Leben befragt. Obwohl Tirol bei den Löhnen Österreichs Schlusslicht darstellt, erklärten sich in der Umfrage 62 % der Tiroler mit ihrer Finanzlage sehr oder eher zufrieden. Bundesweit sind es lediglich 52 %. Nur etwas mehr als jeder zehnte Tiroler ist unzufrieden. Besonders guter Stimmung sind die Senioren. 79 % sehen ihre Lebensqualität als gut an – mit besonderem Fokus auf die Gesundheit und die Familie.

Dieser positiven Stimmung tun die hohen Wohnpreise im Land offenbar keinen Abbruch. Laut der Studie belaufen sich die Gesamtkosten für Kauf oder Bau einer Immobilie in Tirol auf im Schnitt 302.000 Euro. Das sind knapp 15 % mehr als im Bundesschnitt (258.000 Euro). Ein durchschnittlicher Häuslbauer nimmt dafür 170.000 Euro Fremdkapital auf – auch das ist deutlich mehr als im Österreichschnitt von 156.000 Euro.

Für Zeh ist die Tiroler Zufriedenheit eine Mischung aus Erwartung und Erfahrung. Grundsätzlich sei die Lebenszufriedenheit aber in ganz Österreich groß: „Es gibt ein Jammern auf hohem Niveau.“

Wer sich trotz der Preissituation in Tirol dafür entscheidet, ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen, der tut das laut Studie zu 35 % über ein Hypothekendarlehen, zu 30 % über ein Bauspardarlehen und zu 33 % über persönliches Barvermögen. Jeder Zehnte baut aber auch mit geerbtem Geld. „Ohne Erben ist es relativ schwierig bis unmöglich, in Tirol zu bauen“, kommentierte Karl Obernosterer, Privatkundenvorstand der Tiroler Sparkasse. Besonders im Bezirk Innsbruck-Land werde oft erst gebaut, wenn ein Grund vererbt werde.

Die Krise trübe die Stimmung der Landsleute übrigens nicht. „Die Krise ist kein Faktor. Sogar das Wetter hat deutliche- ren Einfluss“, so Zeh. (wer)


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