Entscheidung über Gleisbau ist verschoben

In Kundl wird die Entscheidung über den Bau des Verladegleises zur Firma Pfeifer erwartet. Die ÖBB legen vorerst eine Nachdenkpause ein.

Von Wolfgang Otter

Kundl –Über mehreren Grundeigentümern in Kundl hängt noch immer das Damoklesschwert einer allfälligen Enteignung durch die Österreichischen Bundesbahnen. Ihre Grundstücke werden nämlich für den Bau eines Firmengleises zum Kundler Pfeifer Werk dringend benötigt (die TT berichtete). Und die Frage nach Sinn oder Unsinn dieses Anschlusses teilt mittlerweile die Marktgemeinde. Es gibt dort nämlich Befürworter wie auch Gegner.

Bereits vor rund zwei Jahren wurde erstmals der Plan laut, dass man die Firma Pfeifer mit einem Gleis direkt an die Bahnlinie anbinden will. Auslöser ist ein akuter Platzmangel am Lkw-Terminal, wo auch das Holz der Firma Pfeifer auf die Lkw verladen wird. Diese Ladetätigkeit ist mit einem rund 1,2 Kilometer langen Weg vom Werk ins Terminalgelände bzw. retour verbunden. Lkw-Fahrten, die nach Ansicht der Befürworter des Gleises mit dem neuen Gleis wegfallen könnten.

Aber angesichts des Widerstands liegt das Projekt, für das die ÖBB rund 15 Mio. Euro und die Firma Pfeifer nochmals ca. sechs Mio. Euro investieren wollen, auf Eis. Und auch die sommerlichen Temperaturen werden es nicht schmelzen lassen. Ganz im Gegenteil, wie ÖBB-Pressesprecher Rene Zumtobel erklärt – es gebe nämlich frühestens im Herbst eine Entscheidung. „Wir werden das Projekt neu bewerten und dann überlegen, ob und wie wir es umsetzen können“, erklärte Zumtobel auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung. Nach einem Informationsabend der ÖBB im März im Kundler Gemeindesaal hatte man in der Gemeinde mit einer Entscheidung noch vor dem Sommer gerechnet. Bei dieser Entscheidung wird es auch um die Frage gehen, ob die ÖBB tatsächlich das Enteignungsverfahren einleiten werden. Das ist letztlich vom Vorstand des Konzerns zu beschließen. Der Kundler Gemeinderat hat bereits Enteignungen auf das Entschiedenste abgelehnt.

Kundls Vizebürgermeister Michael Dessl, einer der vehementesten Gegner des Gleisbaus, vermutet den Grund für die weitere Verzögerung im Einbruch der Lieferzahlen bei der Rollenden Landstraße (RoLa). Immerhin sind die transportierten Lkw in den vergangenen Monaten um 24 Prozent weniger geworden. „Für mich sprechen im Ganzen mehr Argumente gegen den Bau als dafür“, fasst Dessl zusammen. Der Aufwand von so vielen Millionen Euro für die kurze Wegstrecke stünde nicht dafür. Und was den ökologischen Nutzen anbelange, „ist das ein Nullsummenspiel, weil ja auf dem Gleis auch Mineralölprodukte verladen werden sollen und daher die Holztransporte von den Öltransporten abgelöst werden“, ist Dessl überzeugt.

Der ÖBB-Sprecher weist den Zusammenhang zwischen weniger Lkw auf der RoLa und der Verzögerung des Beschlusses über den Gleisbau zurück. Die schlechte Konjunktur sei der Grund für den Rückgang, der sich auch auf der Straße zeige.


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