Umjubelte Österreich-Premiere von „Swanlake“ in Innsbruck

Die junge Südafrikanerin Dada Masilo erntete für die Choreographie von Swanlake in ihrer Österreich-Premiere beim Tanzsommer im Congress Innsbruck viel Lob.

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Wer den Programmzettel nicht sorgfältig studiert hat, wundert sich vielleicht, dass Dada Masilos „Swan Lake“ mit einem Tango beginnt. Der den vielen Freunden der Tanzproduktionen des Tiroler Landestheaters allerdings bekannt vorkommen muss. Stimmen auf die extravagante Neuinterpretation von Tschaikowskis romantischem Ballett „Schwanensee“ doch zwei kurze Ausschnitte aus Enrique Gasa Valgas Choreographien des „Faust“ bzw. ein Solo aus „Olé, es lebe das Leben“ ein.

Nach einer kurzen Umbaupause geht es dann wirklich los. Mit einem „Schwanensee“, wie man ihn noch nie gesehen hat. Wo selbst die Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowski nur eine von mehreren ist. Die pur daherkommt oder schräg elektronisch remixed, kombiniert mit Kompositionen von Stev­e Reich, Rene Avenant, Camille Saint-Saens und Arvo Part sowie Songs, die speziell für diesen ganz besonderen Abend geschrieben wurden. Der ein­e einzigartige Mischung aus klassischem Ballett, Streetdance, Show und afrikanischem Tanz ist.

Spitzenschuhe fehlen, die zwölf zum größten Teil schwarzen Tänzerinnen und Tänzer sind barfuß. Alle – auch fast alle Männer – tragen weiße Tutus und weiße Federn am Kopf, außer ganz am Schluss, wo die weißen Schwäne zu schwarzen werden und sterben. In der Choreographie der jungen Südafrikanerin Dada Masilo ist die bekannte Geschichte von Liebe, Gier, Abhängigkeit und Täuschung rund um den melancholischen Prinzen Siegfried und seine geliebte, in einen Schwan verwandelte Odette nur noch in Spuren erkennbar.

Spielort ist Bordell

Spielort von „Swan Lake“ ist ein Bordell samt keifender Puffmutter und dem fiesen Zauberer Rotbart als Zuhälter, der wie der Dompteur seine Schwäninnen beherrscht. Um mit allen Mitteln die Liebe zu verhindern, die sich zwischen einer von ihnen und dem Prinzen Siegfried entwickelt.

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Die weitere Geschichte hat mit der bekannten kaum mehr etwas zu tun. Löst sich auf zu einer atemberaubenden Show, die zu einem Bekenntnis für die Menschlichkeit wird. Gegen jede Aus- und Abgrenzung, für die Gleichheit von Schwarz und Weiß, Mann und Frau.

Transportiert von zwölf Tänzerinnen und Tänzern, die über den Boden rollen, ihre geschmeidigen Körper förmlich durch den Raum fliegen lassen, ihre Beine senkrecht in die Höhe werfen, ihre tutu-verhüllten Popos lustvoll im wechselnden Takt wackeln lassen, dass es eine Freude ist.

Zwischendurch wird es immer wieder klassisch, doch bevor sich so etwas wie Pathos breitmachen kann, wird dieses durch Ironie erfrischend gebrochen. Indem die Bewegungen eckig werden, die exakte Choreographie sich in fröhlichem Klatschen, Stampfen und Trällern auflöst. Und dass hier eigentlich Schwäne zugange sind, daran wird immer wieder durch die berührend zarte Andeutung schwingender Flügel, sich gegen die Himmel reckender Hälse oder zu Schnäbeln geformter Finger erinnert.


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