IWF: Rezession in Eurozone tiefer als bisher angenommen

Der Internationale Währungsfonds hat seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft nach unten korrigiert. Die Rezession im Euroraum werde mit 0,6 Prozent im laufenden Jahr fast doppelt so schwer ausfallen wie bisher erwartet.

Washington - Die erhoffte Erholung der Weltwirtschaft verliert nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) schon wieder an Schwung. Für zahlreiche Länder nahm der Fonds am Dienstag seine Wachstumsprognosen teils sehr deutlich zurück. Davon betroffen sind Deutschland, die USA und auch die Konjunkturlokomotive China. Die Ursachen reichen von der unerwartet heftigen Rezession im Euroraum bis zur Nachfrageschwäche in wichtigen Schwellenländern.

Hinzu kommen als neue Risiken Unsicherheiten über den Zeitpunkt und die Folgen eines Ausstiegs aus der extrem lockeren Geldpolitik der vergangenen Jahre. Die US-Notenbank Fed hatte einen „Exit“ zuletzt unter bestimmten Bedingungen angekündigt, für die Europäische Zentralbank ist er eigenen Angaben zufolge noch weit entfernt.

Weltwirtschaft dürfte 2013 um 3,1 Prozent wachsen

Die Weltwirtschaft wird dem IWF-Bericht zufolge in diesem Jahr um 3,1 Prozent und im nächsten Jahr um 3,8 Prozent wachsen - etwas weniger als im April geschätzt. Für Deutschland halbierte der Fonds seine Prognose für 2013. Demnach wird die Wirtschaft nur noch um 0,3 Prozent zulegen. Für 2014 gab es eine leichte Reduzierung auf 1,3 Prozent. Der Schritt kommt zumindest nicht überraschend. Der Fonds hatte ihn kürzlich in seinem entsprechenden Länderbericht für Deutschland schon vorweggenommen.

„Während alte Risiken fortbestehen, sind neue hinzugekommen“, heißt es in dem Bericht mit dem Titel „Wachsende Schmerzen“. Dazu gehöre etwa eine dauerhafte Verlangsamung des Wachstumstempos in den Schwellenländern. Ein Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik in den USA könnte gerade für die Schwellenländer und ihre Märkte negative Folgen haben. Insgesamt bestimmten Abwärtsrisiken die aktuelle Konjunktureinschätzung.

Angesichts der Risiken sieht der IWF die Politik in der Pflicht. „Mehr weltwirtschaftliches Wachstum wird zusätzliches politisches Handeln nötig machen.“ Die Industrieländer sollten entsprechend eine wachstumsfördernde Politik betreiben, allerdings kombiniert mit Reformen und einer glaubwürdigen Strategie zur mittelfristigen Konsolidierung der Haushalte. Die lockere Geldpolitik sollte vorerst beibehalten werden. Jede Form des Ausstiegs müsse klar kommuniziert werden, um Marktturbulenzen zu verhindern.

Euro-Staaten sollen Banken in Ordnung bringen

Die Euro-Länder forderte der Fonds zudem auf, den Bankensektor in Ordnung zu bringen. Sie müssten den Kapitalbedarf ihrer Institute ermitteln und diesen dann, auch mit direkten Finanzspritzen aus dem Euro-Schutzschirm ESM, decken. Zudem drängte der IWF auf die rasche Schaffung einer umfassenden Bankenunion mit einer zentralen Abwicklungsbehörde für marode Geldhäuser.

Die Rezession im Euroraum werde mit 0,6 Prozent im laufenden Jahr fast doppelt so schwer ausfallen wie bisher erwartet, so der IWF weiter. Zuvor war der Währungsfonds von einem Rückgang um 0,4 Prozent ausgegangen. Dabei sagt der Fonds den Krisen-Ländern Italien und Spanien noch größere Probleme voraus. Für das kommenden Jahr erwartet der IWF im Euroraum ein mageres Wachstum von 0,9 Prozent.

Die USA bleiben nach den Berechnungen des IWF mit Zuwächsen von 1,7 Prozent in diesem Jahr und 2,7 Prozent im nächsten Jahr ebenso unter den April-Prognosewerten wie China mit erwarteten Raten von etwas unter acht Prozent in diesem und dem nächsten Jahr. Die Schätzungen für andere große Schwellenländer wie Indien, Brasilien oder Mexiko wurden um bis zu 0,75 Prozentpunkte gekürzt. (Reuters/dpa/tt.com/AFP)


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