„Durch die Hölle gegangen“: Opfer von Ohio melden sich zu Wort

Vor zwei Monaten konnten sich Amanda Berry, Gina DeJesus und Michelle Knight aus ihrer mehr als zehn Jahre langen Gefangenschaft befreien. Auf Youtube melden sich die drei Entführungsopfer zum ersten Mal zu Wort.

Cleveland – „Ich mag durch die Hölle und zurück gegangen sein. Aber ich bin stark genug, mit einem Lächeln im Gesicht durch diese Hölle zu gehen, mit erhobenem Kopf und meinen Füßen fest auf dem Boden.“ Die Worte liest Michelle Knight von einem Zettel ab, es sind mit die ersten, die die heute 32-Jährige an die Öffentlichkeit richtet. Sie war 21 Jahre alt, als sie plötzlich verschwand. Elf Jahre später wurde sie gefunden - gemeinsam mit Amanda Berry und Gina DeJesus. Die drei jungen Frauen waren jahrelang in einem Haus in Cleveland gefangen gehalten, missbraucht und geschlagen worden. Ihr mutmaßlicher Peiniger Ariel Castro zeugte mit Amanda Berry sogar ein Kind.

Zum ersten Mal wandten sich die drei Frauen nun an die Öffentlichkeit. Das rund dreieinhalb Minuten lange Video wurde bereits am 2. Juli aufgezeichnet, am Dienstag erschien es auf Youtube. Sie wollten sich für die Unterstützung und die Spenden bedanken.

„Ich werde jeden Tag stärker“

„Zuerst möchte ich allen sagen, wie glücklich ich bin, zu Hause und bei meiner Familie zu sein“, eröffnet Amanda Berry das Video. „Ich werde jeden Tag stärker“, sagt die mittlerweile 27-Jährige und bittet darum, auch weiterhin ihre Privatsphäre zu respektieren. Dann das habe ihr bislang sehr geholfen.

Während Berry und Knight alleine vor der Kamera sitzen, hat Gina DeJesus Unterstützung von ihren Eltern. Die 23-Jährige wurde als letzte der Frauen entführt, als sie erst 14 Jahre alt war. Schüchtern bedankt sie sich für die Spenden.

Flucht vor zwei Monaten, Peiniger angeklagt

Vor zwei Monaten war Amanda Berry mit Hilfe von Nachbarn die Flucht aus dem Haus gelungen, das ein Jahrzehnt ihr Gefängnis war. Wenig später holten Polizisten auch die anderen beiden Frauen zurück in die Freiheit. Ariel Castro, dem das Haus gehörte, wurde kurze Zeit später festgenommen. Der 52-Jährige wurde mittlerweile angeklagt. Der ehemalige Busfahrer muss sich wegen 329 Einzelvergehen verantworten. Unter anderem wird dem Mann die Ermordung eines ungeborenen Kindes vorgeworfen. Ihm könnte die Todesstrafe drohen.

Die drei Frauen sehen in dem Video gesund und glücklich aus. Über das, was sie in ihrer Gefangenschaft erlebt haben, was sie jetzt machen, darüber wollen die drei weiterhin nicht sprechen. „Ich freue mich auf mein nagelneues Leben“, beschließt Michelle Knight das Video. (tt.com, APA)


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