Der Kasperl versetzt einen zurück in die Kindheit

Für Puppenspielerin Julia Schumacher kann Puppenspiel das Selbstbewusstsein fördern. Finanziell ist die seltene Kunst kaum rentabel.

Von Julian Bathelt

Innsbruck –Es ist dunkel, die Spannung steigt, vereinzelt hört man Kindergetuschel und plötzlich ertönt ein helles Glöckchen. Dann geht der Vorhang auf, die Scheinwerfer beginnen zu leuchten und endlich schießt der Kasperl hinter der Bühne hervor.

Die handgemachte Puppe aus Holz und Stoff sitzt seit 20 Jahren auf dem Arm von Puppenspielerin Julia Schumacher und führt die Zuschauer für eine dreiviertel Stunde in eine andere Welt.

So leicht und unkompliziert es für manchen zwar aussehen mag, das Bühnentheater der Innsbruckerin gleicht einer Filmproduktion, bei der es nur eine Person gibt. Schauspiel, Regie, Kulisse, Beleuchtung und Musik werden von der Puppenspielerin mit Händen und Füßen hinter der Bühne gesteuert. „Was ich da hinten leiste, ist für jemanden, der das noch nie gemacht hat, unvorstellbar“, beschreibt Schumacher die Herausforderung.

Die eigentliche Kindergartenpädagogin hat ihr Talent für das Puppenspiel schon als junges Mädchen entdeckt und begann nach ihrer Schulzeit mit Kleinauftritten in ganz Tirol. „Nach kurzer Zeit wurde mir aber schnell bewusst, dass das finanziell nur nebenberuflich möglich ist“, erzählt Schumacher, „gerade in Westösterreich ist es sehr schwierig, als Puppenspielerin Fuß fassen zu können.“

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Trotzdem gelang es ihr, sich einen Bekanntheitsgrad aufzubauen und ein eigenes Puppentheater im Untergeschoss des Innsbrucker Integrationshauses zu betreiben. Zweimal pro Woche gibt sie dort eine Vorstellung und arbeitet stets an neuen Geschichten. Ihr aktuelles Programm beinhaltet eine interaktive Vorstellung für die Allerkleinsten, bei der auch oft die Erwachsenen in eine Märchenwelt versinken.

Aber auch sie selbst habe viel durch das Puppenspiel profitiert und sei dadurch kreativer und selbstbewusster geworden. „Puppentheater trägt zum inneren Persönlichkeitswachstum bei“, ist sich Schumacher sicher. Jungen, talentierten Künstlern rät sie allerdings, ins Ausland zu gehen: „In Tirol kenne ich keine Nachwuchspuppenspieler. Die jungen Leute gehen meistens dorthin, wo es mehr Möglichkeiten gibt.“ Studiengänge zur Puppenspielkunst gibt es u. a. in Deutschland.


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