Rihanna skandalfrei: Wien-Premiere der Download-Queen

Rihanna, der Popsuperstar des digitalen Zeitalters, war am Dienstagabend erstmals live in Österreich zu erleben. Die Sängerin hat dabei entgegen Befürchtungen des Boulevards weder Wien, noch das Publikum „versext“.

Von Wolfgang Hauptmann, APA

Wien - Es gab auch keinen Skandal, wenn man den rund 30 Minuten verspäteten Beginn nicht zu einem solchen aufbauschen will. Vielmehr spulte die 25-Jährige ein routiniertes Programm herunter, das - trotz Feuersäulen als Effekt und Saunatemperaturen in der seit Wochen ausverkauften Stadthalle - über weite Strecken erstaunlich unterkühlt wirkte.

Dabei schien das Konzept beachtenswert: Der Auftritt von Rihanna glich mehr einem „echten“ Konzert als einer Revue, dramaturgisch in Akten aufgebaut, die Musik stand eindeutig im Vordergrund, die Showeinlagen beschränkten sich auf ein Minimum. Allerdings konnte die mit fast 150 Millionen verkauften Download-Tracks erfolgreichste Digital-Künstlerin aller Zeiten zunächst kaum die Bürde stemmen, einen Saal mit rund 15.000 Menschen allein mit Stimme und Charisma zu unterhalten. Noch dazu spielte die Band - inklusive Extreme-Gitarrist Nuno Bettencourt („More Than Words“) - mehr laut als mit Nuancen. Abgesehen davon, dass Rihanna zu Beginn von ihren Fans niedergebrüllt wurde, verlief der erste Teil ereignislos.

Nach dem Opener „Mother Mary“, bei dem Rihanna alleine auf der Bühne, die zunächst an einen sterilen Saal mit Marmorsäulen erinnerte, stand und tatsächlich sang, ging es im R&B-Einheits-Getöse („Phresh Out The Runway“, „Birthday Cake“ etc.) dahin. Witzig, dass die Plattenmillionärin aus Barbados nicht einmal vormachte, so zu tun, als würde sie selbst alles live singen. Im zweiten Akt, der mit „You Da One“ startete und mit „What‘s My Name“ endete, wurden dann zur allgemeinen Tanzbegeisterung Reggae-Rhythmen eingestreut, was dem Klangbild endlich Farbe verpasste und die Stimmung steigerte.

Sympathisch zurückhaltend

Im nächsten Teil freuten sich die Fans über „Umbrella“, wie viele Songs sehr knapp dargeboten. Die Dauer mancher Lieder passte sich der Rocklänge an: Viel weniger ging da nicht mehr. Später sollten manche Hits gar zu Medleys zusammenschrumpfen. Was das Tempo bremste: Umziehpausen mit leerer Bühne, eine öde Sache. Beim Disco-Kracher „We Found Love“ passierte dann endlich das, was man von Beginn weg erwartet hätte: Die Halle stand Kopf. Da fegte Rihanna mit einem Tänzerensemble über den Boden, in dem die Musiker kurzzeitig verschwanden, da suchte sie die Nähe zu den Besuchern (zumindest in der ersten Reihe), da stampfte es wie in der Großraumdisco.

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Das war ganz nach dem Geschmack des Publikums, das mindestens die Hälfte der Darbietung durch den Sucher der Handykamera erlebte und mit den Hardrock-Gitarrensoli von Bettencourt wenig bis gar nichts anzufangen wusste. Mit „S&M“, „Only Girl (In The World)“ und „Don‘t Stop The Music“ im tighten Package sowie „Where Have You Been“ ging es ebenso flott und dynamisch weiter.

Um auf den Boulevard zurückzukommen: Natürlich fasste sich Rihanna wiederholt in den Schritt, wackelte manchmal lasziv mit dem Po und streckt die Zunge heraus, was hysterisch bejubelt wurde. Aber im Vergleich zu dem, was manche Kolleginnen aufgesetzt provokant in ihren Shows ab- und anziehen, waren das Gehabe und die Outfits sympathisch zurückhaltend. Bei einigen Liedern, vor allem zum Start, hätte Rihanna aber ruhig mehr aus sich herausgehen können. Den Schlusspunkt setzte „Diamonds“, ein Nummer-Eins-Hit in 27 Ländern, bei dem die Pop-Queen im Glitterkleid dann aber wirklich alles richtig machte.


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