Nicht daheim und doch zuhaus’

Eine Reise nach Kroatien oder Ibiza? Nicht für die Österreicher. Urlaub in der Heimat feiert Renaissance. Tourismusforscher Peter Zellmann und zwei Tiroler erzählen, warum.

Herr Zellmann, Urlaub in Rot-Weiß-Rot steht heuer bei den Österreichern hoch im Kurs. Laut einer IMAS-Studie wollen 26 Prozent den Urlaub in der Heimat verbringen. Ist es aber nicht so, dass hauptsächlich ältere Menschen in Österreich bleiben und der Heimat-Urlaub bei den Jungen „uncool“ ist?

Peter Zellmann: Das ist nicht ganz richtig. Der Durchschnittsurlauber in Österreich ist Anfang 40. Aber bei vielen schwirrt das Bild vom alten Wanderer mit Gehstock noch im Kopf herum. Das ist ein Klischee und hat nichts mit der Realität zu tun.

Warum sind die Österreicher gerne in der Heimat zu Gast?

Zellmann: Das hat vor allem mit der Wirtschaftskrise zu tun. Die Österreicher sind vorsichtiger geworden. Das Motto lautet: billiger und näher. Hierbei konnte das Bundesland Kärnten die meisten Urlauber für sich begeistern. Fast jeder dritte Inlandsurlaub wurde im Vorjahr rund um die Seen im südlichsten Bundesland verbracht.

Soll das heißen, ein Badesee in der Nähe ist ein Entscheidunsgkriterium?

Zellmann: Die meisten Urlauber legen Wert auf einen Mix zwischen Wandern und Baden. Ein Badesee ist vor allem für Kinder eine wichtige Ergänzung. Das wissen auch die Touristiker. In Tirol gibt es mittlerweile viele künstlich angelegte Badeseen. Dadurch hat sich das Bundesland vom Klischee des reinen Skiortes entfernen können und wird auch zunehmend als Sommerdestination beliebter.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Kann sich bei den heimischen Urlaubern denn überhaupt ein „Urlaubsfeeling“ einstellen?

Zellmann: Warum nicht? In Österreich hat man alles, was viele für einen schönen Urlaub brauchen: Berge, Kultur und Bademöglichkeiten. Natürlich sind die Ferien in der Heimat kürzer als Auslandsreisen. Im Durchschnitt verbringt ein Heimat-Urlauber zwischen fünf und zehn Tage im Inland. Für Städtereisen aber zieht es die meisten Österreicher immer noch ins Ausland.

Glauben Sie, dass es in Zukunft sogar noch mehr Heimat-Urlauber geben wird?

Zellmann: In den vergangenen beiden Jahren hat sich ein Trend zum Heimat-Urlaub herauskristallisiert. Zwei Drittel der urlaubenden Österreicher fuhren ins Ausland, ein Drittel blieb im eigenem Land. In diesem Jahr dürfen wir keine Steigerung erwarten, sondern die Zahl der Heimat-Urlauber wird in etwa gleich bleiben.

Das Interview führte Miriam Hotter


Kommentieren


Schlagworte