Eine Bewerbung auf Europäisch

Der Europass ist ein europaweit identes System für das Verfassen eines Lebenslaufes. Blickt man tiefer, hat diese Form der Aufzeichnungen über wichtige Stationen im Leben aber noch viele weitere Vorteile.

Von Ernst Spreng

Innsbruck –Der europäische Lebenslauf ist keine neue Erfindung. Seit 2003 gibt es die Möglichkeit, diese Form der Lebenslaufgestaltung zu verwenden. Der Europass ist standardisiert, schaut optisch nicht besonders reizvoll aus und wenn man ihn genau ausfüllt und einige Berufs- und Ausbildungsstationen bereits hinter sich hat, dann ist er ausgedruckt mehrere Seiten lang. Bildungsexperten empfehlen ihn – und zwar nicht nur für Bewerbungen im Ausland. Aber warum?

„Der Europass ist ein System, das erworbene Kompetenzen sehr gut ausdrückt, also alles, was man sich in seinem Berufsleben angeeignet hat bzw. die eigenen Stärken“, erklärt Ernst Haunholter, Bildungsexperte der AK Tirol. „Ein Beispiel sind Sprachkenntnisse. Mit dem Europass-System kann man sehr genau dokumentierten, welche Sprache man wie gut beherrscht.“

Der europäische Lebenslauf bietet noch weitere Vorteile. Er ist in vielen Sprachen erhältlich und bietet eine gute Vorlage für all jene, die mit dem Schreiben eines Lebenslaufes schon immer auf Kriegsfuß standen. Personaldienstleister, große Firmen und Unis sind diese Form des Lebenslaufes gewohnt und können so Bewerber vergleichen.

So bekannt der Europass im akademischen Bereich ist, nach zehn Jahren der Einführung des europäischen Lebenslaufes nutzen dieses System längst nicht alle Arbeitssuchenden. Manche schreckt die Form ab. Hier hakt Haunholter ein: „Beim Verfassen eines Lebenslaufes muss ich nicht durch optische Gestaltung hervorstechen. Im Gegenteil, hier zählt eine übersichtliche Form.“

Und die bietet der Europass. Einer der größten Vorteile ist zum Beispiel, dass beim Europass das Berufs- und Ausbildungsleben praktisch umgekehrt wird. Was man zuletzt gemacht hat, steht ganz oben. „Der Europass ist eine sehr gute Vorlage für einen effektiven Lebenslauf. Ich empfehle diese Form des Lebenslaufes“, meint Ernst Haunholter.

Natürlich gibt es Ausnahmen. „Wird im Stellenangebot ausdrücklich ein handschriftlicher Lebenslauf verlangt, kommt man mit dem Europass nicht weiter“, so der AK-Bildungsexperte. Dennoch: Hat man das Europass-Formular erst einmal ausgefüllt, dann vergisst man nichts mehr und hat auch für spezielle Lebensläufe eine gute Vorlage.

Neben dem Lebenslauf auf Europäisch hat das Europass-System noch interessante Erweiterungen zu bieten. Eine davon ist der „Sprachenpass“. Dabei schätzt man selbst ein, welche Sprache man wie gut beherrscht. Die Selbsteinschätzung der Kompetenzen ist ein zentraler Punkt des europäischen Lebenslaufes. „Der Europass ist eine erlaubte Form, viel in einen Lebenslauf zu packen, was man sich selbstständig erworben hat und wofür es nicht unbedingt eine Zertifizierung gibt“, erklärt Wirtschaftspsychologe Kurt Seipel, der sich seit vielen Jahren für eine Zertifizierung von Kompetenzen einsetzt.

Sprachenpass oder europäischer Lebenslauf können helfen, seine eigenen Kompetenzen besser einzuschätzen und sich so einer zukünftigen Arbeits- oder Ausbildungsstätte besser zu präsentieren.

AK-Bildungsprofi Haunholter kennt noch zusätzliche Erweiterungen des Europass-Systems. „Mit dem Mobilitätsnachweis dokumentiert man beispielsweise erworbene Fachkenntnisse im Ausland. Zudem erhält man über Europass auch das so genannte Diploma Supplement. Dieses enthält detaillierte Angaben über den erworbenen Hochschulabschluss.“


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