Illusionisten gegen Manager

„Die Unfassbaren” beginnt furios mit magischen Momenten über Mentalisten und Taschenspieler, die Regisseur Louis Leterrier später auf wilde Verfolgungsjagden schickt.

Von Peter Angerer

Innsbruck –Bis Atlas (Jesse Eisenberg) seine Assistentin Henley Reeves (Isla Fisher) abhanden kam, hat er sie auf der Bühne als Jungfrau zersägt. Die – auch private – Beziehung scheiterte an der Eitelkeit, denn wer ist bei dieser Nummer die Attraktion – der Magier oder die Dame in der Kiste? Seither führt Atlas Taschenspielertricks vor, Henley arbeitet als Entfesslungskünstlerin. Spektakulär ist ihr Bad in einem Bassin mit Piranhas. Wenn sich das Wasser blutrot färbt, sitzt sie bereits auf dem Schoß eines erschreckten Zuschauers.

Jack Wilder (Dave Franco) ist eher ein Kleinkrimineller. Er verspricht Passanten eine Belohnung, wenn sie seinen Kartentrick durchschauen. Die Gier macht die Beobachter blind, sie erkennen mühelos die dilettantische Vorführung, aber zu spät den Verlust sämtlicher Wertsachen. Merritt McKinney (Woody Harrelson) war einmal ein gefragter Mentalist. Jetzt passt er in Hotelfoyers Ehepaare ab, hypnotisiert die Frauen und erzählt eine peinliche Geschichte aus dem Leben des Mannes. Ein Schnippen mit dem Finger könnte die Ehe zerstören und schon zückt der Mann seine Brieftasche. Von einer magischen Hand gelenkt, wird aus den vier Illusionisten ein Team, das nach einem Jahr des Trainings in Las Vegas Furore macht. Als „The Four Horsemen“ inszenieren sie einen Bankraub, indem sie einen Mann von der Bühne verschwinden und im Tresor eines Pariser Bankhauses auftauchen lassen. Sekunden später regnet es Euroscheine (Millionen) auf das begeisterte Publikum. In Paris sagen sie nur respektvoll „Merde!”, entsenden jedoch die Interpol-Lady Alma Dray (Mélanie Laurent) nach Las Vegas, das vom FBI belagert wird. Der Agent Dylan Rhodes (Mark Ruffalo) greift schneller zur Waffe, als die vier gefesselten Reiter Hokuspokus sagen können, doch das strenge Verhör endet mit dem FBI-Mann in Handschellen. Da sich die Zauberer nicht in Paris befanden, können sie auch nicht die Bank überfallen haben.

Dieser Trick gefällt dem Milliardär Arthur Tressler (Michael Caine), der zum Sponsor der magischen Truppe wird. Der Spekulant verdiente sein Geld ebenfalls als Illusionist – durch Ablenkung. Er ließ die Menschen einen Blick auf viel Geld werfen und, geblendet vom Reichtum, verwandelten sich die Kunden in Opfer seines Hedgefonds. Aber bereits die erste gemeinsame Show wird in New Orleans zum Desaster. Die Eintrittskarten der gebannten Zuschauer entpuppen sich als Kontoauszüge, auf denen mit magischer Tinte exakt jene Beträge auftauchen, die Tressler den jeweiligen Opfern abgenommen hat. Diese Leichtigkeit der Umverteilung erzeugt natürlich Sympathie, während das Herumlungern der ohnmächtigen Occupy-Bewegung im Wall-Street-Zeltlager nur ermüdend wirkt.

Die Magie ist im Kino eine brotlose Kunst, weshalb der Regisseur Louis Leterrier in das Action-Genre wechselt und den Startschuss für wilde Verfolgungsjagden durch New York im „Transporter”-Stil abfeuert. Mit dieser Serie ist Leterrier reich und bekannt geworden, in „Die Unfassbaren“ verhüllt die Schnelligkeit nur die Angst vor der magischen Kraft der Wut.

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