Oben einer, unten 15.000

Jakob Schubert will hoch hinaus, aber das ist beim Heeressportler nichts Neues. Der 22-jährige Innsbrucker peilt bei der Kletter-Europameisterschaft im französischen Chamonix eine Goldmedaille im Vorstieg an.

Von Florian Madl

Innsbruck –Klettern ist nicht gleich Klettern. Die Disziplinen Speed, Bouldern und Vorstieg eint lediglich der Kampf gegen die Schwerkraft, die physischen Anforderungen indes könnten unterschiedlicher nicht sein, wie Tirols Weltmeister-Trainer Reinhold Scherer erklärt:

Speed nenne sich der vertikale Sprint (Dauer: 6 bis 8 Sekunden), Bouldern sei etwas für akrobatische Typen und erfordere Maximalkraft (5 Züge), der Vorstieg hingegen gelte als Marathon-Bewerb (50 Züge). „Das ist wie bei Slalom und Abfahrt. Und wie beim Skifahren gibt es höchstens zehn Leute, die in beiden Disziplinen vorne sein können.“

Jakob Schubert, der Vorstieg-Weltmeister, ist einer aus dieser Kategorie. Doch das macht es dem Allrounder nicht immer einfach: „Die erste Hälfte des Jahres widmete ich dem Bouldern, die Umstellung fiel mir nicht leicht.“

Bei der heute beginnenden Europameisterschaft in Chamonix steht wieder seine Paradedisziplin Vorstieg auf dem Programm. Es geht um Ausdauer, worauf der Heeressportler in den vergangenen Wochen intensiv hinarbeitete. Und auch wenn Schubert am Fuß des Mont Blanc keinen Heimvorteil genießt, scheint Adrenalinausschüttung gewährleistet: 15.000 Zuschauer starren auf jene Wand, wo die Entscheidung über Gold, Silber und Bronze fällt. Ob der Boulderer Schubert problemlos zum Vorstieg-Experten mutiert?

Bei den Damen gelten die Tirolerinnen Barbara Bacher, Katharina Saurwein und Katharina Posch sowie die junge Magdalena Röck als Kandidaten auf Spitzenplätze. Eine Landsfrau ist im Gegenzug die große Abwesende: Titelverteidigerin Angela Eiter wird nämlich nicht antreten. Die vierfache Weltmeisterin konzentriert sich zum Abschluss ihrer Karriere wie angekündigt nur noch auf die World Games im August in Cali (Kolumbien).

Obwohl in Chamonix kein Österreicher für eine Speed-Medaille in Frage kommt, ist der Bewerb im Sinne der EM-Kombinationswertung aus Vorstieg, Speed und Bouldern von Bedeutung. Am 1. September fällt bei den Boulder-Europameisterschaften im niederländischen Eindhoven die Entscheidung.


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