Jugendstrafvollzug: Übergriffe in Graz und Linz auch in Hafträumen

Bei der Staatsanwaltschaft sind damit seit Jahresbeginn insgesamt vier angezeigte Missbrauchsfälle an jugendlichen Häftlingen anhängig.

(Symbolfoto)
© TT/Thomas Böhm

Wien – Die am Dienstagnachmittag öffentlich bekannt gewordenen sexuellen Übergriffe auf jugendliche Häftlinge in den Justizanstalten (JA) Graz und Linz hatten - wie auch der Fall des in der JA Wien-Josefstadt vergewaltigten 14-Jährigen - in den Hafträumen stattgefunden. Das erklärte der Leiter der Vollzugsdirektion, Peter Prechtl, am Mittwoch auf APA-Anfrage.

Die seit Jahresbeginn damit insgesamt vier angezeigten Missbrauchsfälle an jugendlichen Häftlingen sind bereits bei den jeweils zuständigen Staatsanwaltschaften anhängig. Im Fall des in der Vollzugsanstalt Gerasdorf vergewaltigten 16-Jährigen gibt es bereits eine Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt.

Fragezeichen hinter Grazer Missbrauchsfall

Der in Graz zur Anzeige gebrachte Missbrauchsfall in einer Jugendabteilung der Justizanstalt Jakomini könte laut Staatsanwaltschaft Graz gar keiner sein: Bei den Vernehmungen habe das 17-jährige Opfer erklärt, dass die sexuellen Handlungen in gegenseitigem Einverständnis passiert seien. Das Ermittlungsverfahren sei jedoch noch nicht abgeschlossen, sagte Sprecher Hansjörg Bacher am Mittwoch.

Angezeigt wurde der sexuelle Missbrauch eines 17-Jährigen an seinem gleichaltrigen Zellengenossen im Frühjahr 2013. Während es zuerst noch nach einem Gewaltdelikt aussah, sprach der 17-Jährige im Mai von freiwilligen Handlungen. Noch sei nicht klar, ob er bei dieser Aussage bleiben werde.

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Jugendabteilungen in Graz, Klagenfurt, Linz und Innsbruck

Detail am Rande: Das vermeintliche Opfer ist selbst wegen Vergewaltigung in Haft. 15 Jugendliche sind derzeit in der Anstalt in Graz-Jakomini untergebracht und teilen sich jeweils zu zweit eine Zelle.

Grundsätzlich existiert nicht in jedem Gefängnis eine eigene Jugendabteilung. Solche weisen neben der JA Josefstadt die Anstalten in Graz, Klagenfurt, Linz und Innsbruck auf, erläuterte Prechtl. In kleineren Anstalten wie etwa der JA Steyr werden Jugendliche automatisch ins nächst größere Gefängnisse mit einer Spezialabteilung - im konkreten Fall Graz - verlegt.

In anderen Einrichtungen wie etwa der JA Ried, wo selten Unter-18-Jährige aufgenommen werden, ist es laut Prechtl üblich, dass diese mit so genannten jungen Erwachsenen - Männer im Alter zwischen 18 und 21 - in Hafträume gegeben werden. Die Gefahr, dass es zu körperlichen Übergriffen kommt, sei in diesen Fällen „relativ klein“, betonte Prechtl. Am Brenzligsten sei es immer dann, „wenn mehrere Jugendliche auf einem Flecken zusammenkommen“. (APA)


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