Die tapferen Schneiderlein in der VIP-Welt

Ein zweites berufliches Standbein schadet nie. Deshalb versuchen immer mehr Stars, sich auch als Designer einen Namen zu machen.

Los Angeles –„Mode ist nicht nur eine Frage der Kleidung. Mode hat etwas mit Ideen zu tun, damit, wie wir leben“, wusste schon keine Geringere als Coco Chanel. Und sieht man sich den Trend der letzten Jahre an, haben offenbar immer mehr Promi­s modische Ideen.

Diese Woche ließen nämlich gleich drei prominente Herrschaften mit ihrer Zweitkarriere aufhorchen. Neben Rihanna, die im Herbst ihre neue „River Island“-Kollektion auf den Markt bringt, will auch Kany­e West seine Kreativität jetzt nicht mehr nur musikalisch unter das Volk bringen. Gemeinsam mit dem französischen Label A.P.C. hat er die Mode­linie „Kanye Capsule Collectio­n“ entworfen, die es demnächst auch zum Kaufen gibt. Bereits auf dem Markt sind hingegen die Entwürfe von Teenie-Idol Selena Gomez. Sie präsentierte diese Woche in Berlin Kleider, Schuh­e und Accessoires, die sie für einen Sportartikelhersteller entworfen hat. „Ich liebe es, mit Outfits herumzuexperimentieren, und liebe Mode, die Spaß macht“, erklärte die 20-Jährige.

Den Spaß am Experimentieren – ja, denn hatten vor ihr ebenfalls zig Kollegen. Offenbar ist es inzwischen nämlich eine Art Muss, dass man im Lebenslauf auch „Designer“ anführen kann. Ob Sienn­a Miller, Justin Timber­lake, die Olsen-Zwillinge, Kati­e Holmes oder Penélope Cruz – sie haben allesamt bereits für ein Modehaus designt oder gleich selbst eine eigene Linie gegründe­t. Zu verdanken haben wir die schneidernden Promis übrigens wohl zwei Damen: Victoria Beckham und Jennifer Lopez entwarfen als zwei der ersten ihre eigenen Kollektionen. Anfangs noch belächelt, hat sich vor allem Beckham einen Namen in der Modeszene gemacht. Vielleicht auch aufgrund eine­s simplen Rezepts: „Ich habe schon immer davon geträumt, selbst Mode zu entwerfen. Deswegen mache ich auch Kleider, die ich selbst gerne trage.“

In die gleiche Kerbe schlägt auch Kollegin Gwen Stefani (Modekette L.A.M.B.): „Die L.A.M.B.-Klamotten sind nichts andere­s als das, was ich seit den frühen Neunzigerjahren trage und immer selbst designt und genäht habe. Dass die plötzlich so angesagt sind, finde ich lustig, denn ich habe definitiv keine Ahnung von Mode, sondern folge nur meine­m Geschmack.“ Damit stapelt die Gute aber wohl ein wenig tief, ist sie mit ihrer „Ahnungslosigkeit“ doch sehr erfolgreich.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Erfolg hat auch Sean Combs, besser bekannt als Rapper P. Diddy, schon zu Genüge eingefahren. Er wurde 2004 beispielsweise vom Verband der amerikanischen Modedesigner (CFDA) für die beste Herren­kollektion des Jahre­s ausgezeichnet.

Und das will was heißen. Denn dass die Fans den Stars die Kollektionen aus der Hand reißen, ist logisch. Doch die Anerkennung von richtigen Fachleuten zu bekommen – dafür bedarf es bei den Outfits dann doch ein wenig mehr als nur einen bekannten Namen auf dem Etikett.

Aber ob nun tatsächlich Talent oder doch nur der Promi-Status dafür verantwortlich ist, dass sich die Kollektionen der Stars gut verkaufen – einer hält von der VIP-Designern prinzipiell eher wenig. „Heut­e kannst du ein Filmstar sein, und wenn dein letzter Streifen ein Flop war, wirst du Modedesigner. Aber das ist ein Handwerk, das man lernt. Es ist das Handwerk der Leiden­schaft“, ereiferte sich vor einiger Zeit Designer (und nur Designer) Oscar de la Renta. Und damit hat der Gute nun ja auch nicht ganz so unrecht. (kew)


Kommentieren


Schlagworte