Auch Land prüft Aberkennung von Orden

Innsbruck hat Pater Magnus Kerner und Hermann Pepeunig posthum das Sozialehrenzeichen aberkannt.

Von Brigitte Warenski

Innsbruck –Seit gestern ist die historische Expertise über Hermann Pepeunig und Pater Magnus Kerner unter www.ibkinfo.at online für jedermann zugänglich. Aufgrund dieser Studie des Zeitgeschichteinstituts an der Uni Innsbruck hat der Innsbrucker Gemeinderat gestern einstimmig beschlossen, den beiden Männern posthum die Sozialehrenzeichen abzuerkennen.

Ob auch das Land die an Kerner und Pepeunig verliehenen Orden (Verdienstmedaille und das Verdienstkreuz) entzieht, ist noch offen. Fix ist aber, dass „wir die Dinge nun prüfen lassen“, bestätigt Florian Gottein, Pressesprecher von LH Günther Platter, auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung. Wie berichtet, wurden der Leiter des Seraphischen Liebeswerks der Kapuziner, Kerner, und der Geschäftsführer des Aufbauwerks der Jugend, Pepeunig, geehrt, obwohl die Landesregierung bereits wusste, das beide Gewalttäter und Pepeunig überzeugter Nationalsozialist war. Sollte das Land weitere Informationen als Grundlage für die Aberkennung benötigen, „sind wir gern zu einem Gespräch bereit“, sagt Historiker Horst Schreiber, der mit Dirk Rupnow und Sabine Pitscheider das Gutachten verfasst hat. Für SP-Landtagsabgeordnete Gabi Schiessling, auf deren Initiative der Landtag das Ehrungsgesetz 2012 novelliert hat, steht bereits jetzt fest, „dass der Aberkennung des Landesehrenzeichens aufgrund des vorliegenden Gutachtens nichts mehr im Weg steht“.

Dass das Land noch einen Schritt weiter in der Vergangenheitsbewältigung geht, fordert Innsbrucks SP-Gemeinderätin Angela Eberl. „Es ist notwendig, eine allgemeine Studie in Auftrag zu geben, um das Verständnis des Systems wie Dienstposten in der Zeit des Ständestaates, während der NS-Zeit und den Jahren danach in der Verwaltung der Stadt Innsbruck und des Landes Tirol an Personen vergeben wurden, sichtbar zu machen“, so Eberl. „Ziel dieser Studie sollte die wissenschaftliche Aufarbeitung dieses dunklen Abschnitts in der Geschichte unseres Landes sein“, sagt Eberl.


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