Gericht beendet Verfahren um „Prestige“-Katastrophe

Der Untergang des Öltankers „Prestige“ im November 2002 löste die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte Spaniens aus. Fast elf Jahre nach dem Unglück ging vor einem Gericht der Prozess um die Katastrophe zu Ende. Nur das Urteil steht noch aus.

La Coruña – Nach achtmonatigen Anhörungen ist das Verfahren um den Untergang des Öltankers „Prestige“ vor einem spanischen Gericht abgeschlossen. Die Urteile im Prozess um die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte Spaniens werden im November erwartet. Der Richter Juan Luis Pía erklärte die Verhandlungen vor dem Landgericht in La Coruña am Mittwoch für beendet.

Die Staatsanwaltschaft hatte für den Hauptangeklagten, den griechischen Kapitän Apostolos Mangouras, zwölf Jahre Haft gefordert. Sie sprach sich zugleich ausdrücklich dagegen aus, im Falle einer Verurteilung den mittlerweile 78 Jahre alten Kapitän der „Prestige“ zu inhaftieren. Einerseits ist eine Verurteilung nötig, um kein Hindernis für Schadenersatzzahlungen aufzubauen. Andererseits ist eine Inhaftierung betagter Verurteilter in Spanien unüblich.

Der mit 77.000 Schweröl beladene Tanker „Prestige“ war am 13. November 2002 vor der Nordwestküste Spaniens leckgeschlagen worden. Die spanischen Behörden ließen das Schiff auf das offene Meer hinausschleppen. Sechs Tage später zerbrach der Tanker in zwei Teile und versank im Atlantik. Giftiger Ölschlamm verseuchte die gesamte Nordküste der Iberischen Halbinsel bis nach Südwestfrankreich.

Neben dem Kapitän waren der ebenfalls aus Griechenland stammende Maschinist der „Prestige“ und der damalige Chef der spanischen Hafenbehörden angeklagt. Ein vierter Angeklagter, der von den Philippinen stammende Erste Offizier des Tankers, ist flüchtig.

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In dem Prozess hatten 133 Zeugen und 98 Sachverständige ausgesagt. Das Gericht muss auch darüber entscheiden, wer für die Schäden aufkommen soll, die das Tankerunglück verursacht hatte. Die Staatsanwaltschaft bezifferte die Summe auf 4,3 Milliarden Euro. An den verseuchten Küsten waren nach der Katastrophe über 100.000 Tonnen Ölreste - vermischt mit Wasser, Sand und Algen - eingesammelt worden.

Umweltschutzorganisationen hatten beklagt, dass keine spanischen Politiker, keine Eigentümer des Schiffes und keine Verantwortlichen der Reederei angeklagt worden seien. Die damalige Regierung von Ministerpräsident José María Aznar hatte sich im Europaparlament vorhalten lassen müssen, mit dem Hinausschleppen des Tankers auf den Atlantik das Ausmaß der Katastrophe noch vergrößert zu haben. (dpa)


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