„Nach Fusion wäre Innsbruck klar beste Uni in Österreich“

Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle im TT-Interview über gute Noten, Tops und Flops seiner Amtszeit und seine Hofburg-Ambitionen.

Herr Minister, im Rating der Chefredakteure der großen Bundesländer-Zeitungen sind Sie mit einer Durchschnittsnote von 1,4 Klassenbester. Überrascht?

Karlheinz Töchterle: Schon, weil ich’s gewöhnt bin, dass ich von den Medien bisweilen etwas kritisch kommentiert werde. Aber die Grundstimmung ist nicht schlecht. Politik ist eben auch die Kunst des Umsetzens bestimmter Ideen, und das ist mir nicht immer gelungen.

Trotzdem bekamen Sie das beste Zeugnis.

Töchterle: Ja, die Benotung ist sehr erfreulich. Ich fühle mich geehrt, die Anerkennung freut mich und ist hoffentlich berechtigt.

Sie sind seit zwei Jahren Wissenschaftsminister. Was ist Ihnen in dieser Zeit besonders gut gelungen, was weniger?

Töchterle: Zum Besten zählt die Hochschulmilliarde. Ich habe den Unis das Geld zur Verfügung stellen können, das sie benötigt haben. Auch wenn Geld nicht Wissenschaft spielt, ist es natürlich wichtig. Im Bereich der Fachhochschulen ist uns einiges gelungen. Auch das Qualitätssicherungsgesetz, dem schwierige Verhandlungen vorausgingen, zählt zu den Pluspunkten. Ebenso die PädagogInnenbildung neu. Da ist uns ein bedeutender Schritt in die richtige Richtung gelungen. Gute Lehrer sind das Wichtigste für das Gelingen der Bildung. Außerdem ist es geglückt, den Beginn der Studienplatzfinanzierung zu vereinbaren und damit ein Dogma der SPÖ zu brechen. Diese Regelung ermöglicht es erstmals, in stark nachgefragten Fächern Obergrenzen einzuziehen. Noch gibt es das nicht in allen Fächern, das wird aber kommen. Das erhöht die Qualität für Studierende genauso wie für die Lehrenden. Und schließlich haben wir auch noch die Inskriptionsfrist vorverlegt. Damit wissen die Universitäten jetzt schon vor Studienbeginn genau, mit wie vielen Studierenden sie rechnen müssen. Früher wussten sie im Dezember, wie viele im Oktober mit dem Studium begonnen haben.

Wo sind Sie gescheitert?

Töchterle: Vorerst gescheitert bin ich bei den Studienbeiträgen. Das Problem ist nicht lösbar, die SPÖ hat sich da richtig eingemauert – obwohl uns die OECD deshalb schon mehrfach gerügt hat.

Das war damals ja ein Wahlversprechen der SPÖ. Halten Sie es für möglich, dass dieses Versprechen in der Form nicht mehr gemacht wird und die Studiengebühren in der nächsten Legislaturperiode eingeführt werden können?

Töchterle: Ich hoffe es.

Sie waren immer ein Gegner der Trennung der Universitäten in Innsbruck.

Töchterle: Dieser Schritt war nicht richtig. Deshalb bin ich immer für die Zusammenlegung eingetreten. Und ich habe mit der in der Vorwoche beschlossenen Novelle des Universitätsgesetzes zumindest die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen, dass der Zusammenschluss möglich ist. Für diese Fusion gibt es viele gute Gründe: die Abschaffung von Parallelstrukturen, die Kostenersparnis – allein Rektorat und Unirat kosten pro Universität eine Million Euro pro Jahr – und vor allem die internationale Sichtbarkeit. Tirol ist schon jetzt ein tolles Wissenschaftsland, liegt bei der Forschungsquote im österreichischen Bundesländer-Ranking an dritter Stelle. Die Zusammenlegung zweier so guter Universitäten würde wirken wie eine Rakete, Innsbruck wäre mit einem Schlag um 40 bis 50 Plätze weiter vorne und sicher die beste Universität in Österreich.

Zur Nationalratswahl im Herbst: Sie sind Spitzenkandidat der ÖVP in Tirol. Was erwarten Sie sich?

Töchterle: Nun, ich hoffe natürlich, dass die ÖVP stärker wird. Je stärker die ÖVP ist, desto besser kann ich meine Ideen umsetzen. Der klassische Wahlkämpfer bin ich aber nicht, ich gehöre ja auch nicht der ÖVP an, sondern bin parteifrei. Aber Landeshauptmann Platter hat mit der Bildung einer schwarz-grünen Landesregierung einen tollen Weg beschritten: Die Kombination von Wirtschaftskompetenz und Nachhaltigkeit hat Zukunft.

Werden Sie in der Bundesregierung bleiben?

Töchterle: Ich stehe zur Verfügung, aber klarerweise nicht bedingungslos. Gewisse Dinge müssen möglich sein. Vor allem geht es mir um die Finanzierung der Forschung und des tertiären Sektors.

Ihr Name wird immer wieder mit der Nachfolge von Heinz Fischer als Bundespräsident in Verbindung gebracht.

Töchterle: Dass ich genannt werde, ist eine Ehre. Aber ganz ehrlich: Bis 2016 ist noch lange hin, darüber zerbreche ich mir jetzt nicht den Kopf.

Das Gespräch führten Alois Vahrner und Mario Zenhäusern


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