Vergewaltigung in Indien: Urteil gegen 18-Jährigen verschoben

Der junge Mann soll an der Vergewaltigung einer Studentin im Dezember beteiligt gewesen sein. Ihm drohen drei Jahre Haft, seine mutmaßlichen Komplizen die Todesstrafe.

Neu-Delhi – Das erste Urteil im Fall der brutalen Gruppenvergewaltigung einer Inderin ist auf den 25. Juli vertagt worden. Die Richter am Jugendgericht hätten nun alle Anhörungen abgeschlossen, ihre Entscheidung aber verschoben, sagte Generalstaatsanwalt Madhav Khurana am Donnerstag in Neu Delhi. Der Prozess des zur Tatzeit 17-jährigen Angeklagten war von dem Verfahren gegen seine Mitangeklagten abgekoppelt worden.

Der inzwischen 18-Jährige soll gemeinsam mit fünf weiteren Männern Mitte Dezember eine 23-jährige Studentin in der indischen Hauptstadt in einem Bus brutal vergewaltigt und schwer misshandelt haben. Die junge Frau starb später an ihren Verletzungen. Dem 18-Jährigen droht eine Höchststrafe von drei Jahren Jugendhaft. Vier weiteren anderen Angeklagten droht wegen Vergewaltigung und Mordes die Todesstrafe. Der Hauptverdächtige war im März tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden worden, die Todesumstände sind unklar.

Die Tat hatte weltweit Entsetzen ausgelöst und in Indien eine heftige Debatte über sexuelle Gewalt angestoßen. Nach wochenlangen Protesten und weiteren Vergewaltigungsfällen verschärfte das Parlament die Strafen für Vergewaltiger. Entgegen den Forderungen der Öffentlichkeit wurde die Strafmündigkeit aber nicht herabgesetzt.

Die Eltern des Opfers waren eigens zu der geplanten Urteilsverkündung zum Gericht gekommen, Medien waren nicht zugelassen. Sie hoffe auf eine „gerechte Strafe“, sagte die Mutter beim Verlassen des Jugendgerichts. Die Familie der Studentin hatte gefordert, dass der jüngste Angeklagte wie die anderen mutmaßlichen Täter vor ein normales Strafgericht gestellt und zum Tode verurteilt wird.

Der inzwischen 18-Jährige, der sich seinen Lebensunterhalt unter anderem mit dem Reinigen des Busses verdiente, bestreitet eine Tatbeteiligung. Medienberichten zufolge soll er bereits im Alter von elf Jahren von zu Hause weggelaufen sein und seitdem meistens auf der Straße gelebt haben. (APA/AFP)


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