200 Euro Strafe fürs Bellen

Weil sich eine Nachbarin von einem bellenden Hund gestört fühlte, wurde eine Innsbrucker Hundebesitzerin angezeigt. Die Strafe war um das Zehnfache höher als bei einem Fall in Graz.

Von Matthias Christler

Innsbruck –Für die einen, die Besitzer, ist der Hund der liebste Freund – für die anderen, die Nachbarn, kann er zum Albtraum werden, wenn er einem die Ruhe raubt. Mit seinem Gebell. In Mehrparteienhäusern steht dieser Konflikt an der Tagesordnung, immer öfter – das bestätigt der Mieterschutzverband Tirol – wird nicht mehr miteinander geredet, sondern direkt die Behörde alarmiert. Im Frühjahr kam es zu so einem Einsatz der Mobilen Überwachungsgruppe der Stadt Innsbruck aufgrund von lautem Gebell, jetzt flatterte der Hundebesitzerin eine Strafe von 200 Euro ins Haus. Die Begründung auf der Strafverfügung: „Sie haben es als Halter eines Hundes unterlassen, dafür zu sorgen, dass dieser das Leben und die Gesundheit von Menschen oder von Tieren nicht gefährdet und Menschen nicht über das zumutbare Maß hinaus belästigt, da Ihr Hund längere Zeit durchbellte.“

Eine Nachbarin hatte bei der Polizei angezeigt, dass der Hund in der Wohnung unter ihr ununterbrochen belle. Als die Beamten eintrafen, stellten sie zwischen 21.30 und 22 Uhr fest, dass die Lärmbelästigung für eine Anzeige­ ausreichen würde. Weil die Hundebesitzerin nicht zu Hause war, wurde ihr eine Verständigung hinterlassen. „Andere Nachbarn haben mir bestätigt, dass mein Hund erst angeschlagen hat, als die Magistratsbeamten vor unserer Tür standen. Und auch nicht 30 Minuten lang durchgebellt hat“, wundert sich die Innsbruckerin über die Strafe an sich, vor allem aber über die Höhe. Elmar Rizzoli, der Leiter der Mobilen Überwachungsgruppe, hat „laufend“ mit ähnlichen Nachbarschafskonflikten zu tun: „Wir versuchen, neutral dazwischenzustehen. Oft werden wir gerufen und wir können vor Ort nichts feststellen. In diesem Fall war es so, dass eine Lärmbelästigung vorhanden war“, sagt er. Der Hund lebte vor dem betreffenden Abend erst zwei Monate in der Wohnung – hätte in so einem Fall nicht eine Verwarnung ausgereicht? „Hier ist der Strafrahmen generell so geregelt, das reicht vom zu lauten Fernseher bis zum bellenden Hund.“

Auf einen ähnlichen Fall wird in dem Buch „Wenn Nachbarn nerven …“ des Vereins für Konsumenteninformation hingewiesen: Dabei hat die Bezirkshauptmannschaft Graz-Umgebung ebenfalls ein Bellen als störend eingestuft und eine Strafe verhängt – aber im Gegensatz zu den 200 Euro musste die Hundebesitzerin in der Steiermark nur 21,80 Euro zahlen. Die Innsbruckerin hat gegen die Höhe der Strafe Einspruch erhoben. Beim Innsbrucker Strafausmaß dürfte nämlich unter anderem nicht berücksichtigt worden sein, dass der Anzeige ein ohnehin schon nachbarschaftlich getrübtes Verhältnis vorausgeht.

Gebell, wie jeder andere Lärmpegel, ist nicht für jedes Ohr gleich laut. Den einen stört es, andere bemerken es kaum. Maximilian Ledochowski, Facharzt für Innere Medizin aus Innsbruck, beschäftigt sich ausgiebig mit dem Thema Lärmbelästigung im Alltag: „Wenn jemand am Tag zum Beispiel viel Lärm, einer Reizüberflutung ausgesetzt ist, sinken am Abend die Kompensationsmechanismen, dann werden laute Kinder oder Hundegebell plötzlich zur Belastung“, sagt er. Dieselbe Lärmquelle könne demnach unterschiedlich wahrgenommen werden. „Mein Wunsch wäre es, dass wir als Gesellschaft anfangen, wertfrei über Lärmbelästigung zu diskutieren, und uns Gedanken machen, wie wir Lärm insgesamt verringern können. Denn wir machen alle Lärm.“

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