Erste Auseinandersetzungen bei Protesten in Bulgarien

Regierungsproteste gab es am Donnerstagabend auch wieder in anderen Großstädten des Landes.

Sofia – Am 28. Tag der bisher friedlichen Massenproteste in Bulgarien gegen die sozialliberale Regierung ist es am Donnerstagabend zum ersten Mal zu Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und Polizei gekommen.

Der traditionelle Protestzug von Tausenden Regierungsgegnern durch die Innenstadt von Sofia änderte seine Route und blockierte das Gebäude des Parlaments. Gegen 21.00 Uhr Ortszeit versuchten einige aufgebrachte Protestierende die Polizeiabsperrung vor dem Parlamentsgebäude zu durchbrechen. Es gelang ihnen, Teile der Gitter abzubauen. Verletzt wurde niemand. Demonstranten erklärten gegenüber dem privaten Fernsehsender BTV, ihre Geduld sei nach wochenlangen Kundgebungen ohne politische Reaktion seitens der Regierung am Ende. Vor dem Parlamentsgebäude hatten sich mehrere Hundert Menschen versammelt.

Die Proteste, die sich über das soziale Netzwerk Facebook organisieren, sollen in der Nacht auf Freitag mit einem Zeltlager vor dem Parlamentsgebäude weiter gehen. Die Stadt hat den Aufbau eines Zeltlagers genehmigt. Geplant ist zudem eine 24stündige Blockade des Parlamentsgebäudes im Zentrum der bulgarischen Hauptstadt. „Lasst uns das Parlament umzingeln“, rufen die provisorischen Organisatoren der Proteste im Facebook auf. „Seit über einen Monat haben sich die Regierenden an der Macht verbarrikadiert, obwohl wir täglich ihren Rücktritt und Neuwahlen fordern. Offensichtlich haben sie nicht vor, aufzugeben. Wir auch nicht“, ist auf der Facebook-Seite der Proteste zu lesen.

Regierungsproteste gab es am Donnerstagabend auch wieder in anderen Großstädten des Landes. In Sofia fand wieder eine Kundgebung von mehrere Dutzend Unterstützern der Regierung statt.

Das neue bulgarische Kabinett kam nach vorgezogenen Parlamentswahlen erst am 29. Mai ins Amt, und rief mit seinen ersten Besetzungen von wichtigen Posten im Staat eine Welle der Unzufriedenheit unter der Bevölkerung aus. Auslöser war die Wahl des dubiosen Medienmagnaten Deljan Peewski zum Chef des mächtigen Geheimdienstes DANS. Die seit dem 14. Juni allabendlich organisierten Demonstrationen richten sich inzwischen gegen die korrupten Strukturen der Altparteien – sowohl unter dem konservativen Ex-Premier Bojko Borissow, als auch unter dem Vorsitzenden der regierenden Sozialisten Sergej Stanischew. (APA)


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