Geschwindigkeitsmangel erst Sekunden vor Aufprall bemerkt

Technische Defekte an der Unglücksmaschine wurden bisher nicht entdeckt. Der vom Piloten geschilderte Lichtblitz kurz vor der Landung kaum ursächlich für den Crash sein.

San Francisco - Der für das tödliche Flugzeugunglück in San Francisco verantwortliche Geschwindigkeitsmangel beim Landeanflug hat die Piloten offenbar völlig unvorbereitet getroffen. Nach Angaben der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB vom Donnerstag waren auf den Stimmenrekordern an Bord der Boeing 777 erst neun Sekunden vor dem Aufprall Gespräche über eine nötige Erhöhung der Fluggeschwindigkeit zu hören. Zu diesem Zeitpunkt habe sich das Flugzeug nur noch 30 Meter über dem Boden befunden, sagte NTSB-Chefin Deborah Hersman. Drei Sekunden und nochmals eineinhalb Sekunden vor dem verheerenden Crash hätten dann zwei Mitglieder der Cockpit-Crew einen Landeabbruch vorgeschlagen.

Bei der Bruchlandung der Maschine der südkoreanischen Fluggesellschaft Asiana Airlines waren am Samstag zwei junge Chinesinnen ums Leben gekommen und mehr als 180 weitere Menschen verletzt worden. Die Auswertung der Flugschreiberdaten ergab, dass die Boeing 777 beim Landeanflug viel zu langsam war und zu niedrig flog.

Technische Defekte an der Maschine wurden bisher nicht entdeckt. Allerdings wurde bekannt, dass der Pilot auf einem seiner ersten Einsätze mit diesem Flugzeugtyp und sein Ausbilder, der ihm als Ko-Pilot zur Seite stand, ebenfalls neu im Job war. Laut Asiana handelte es sich bei beiden dennoch um insgesamt erfahrene Piloten.

Lichtblitz nicht als Ursache

Hersman zufolge haben alle automatischen Flugsysteme an Bord der Maschine fehlerfrei funktioniert, darunter auch der Autopilot. Auch die vom Piloten geschilderte Irritation durch einen Lichtblitz beim Landeanflug dürfte nach NTSB-Einschätzung kaum ursächlich für den Crash gewesen sein: Die Lichtquelle habe nach Aussagen des Piloten seine Sicht nicht dauerhaft behindert, alle Kontrollinstrumente und die Geschwindigkeitsanzeige seien für ihn beim Blick darauf gleich wieder zu sehen gewesen.

Bei der Auswertung des Stimmenrekorders war laut Hersman auch nichts von irgendeinem Lichteffekt zu hören. Da es immer wieder vorkommt, dass Piloten beim Start oder Landeanflug mit Laserpointern geblendet werden, war diese Möglichkeit auch beim Unglück in San Francisco erwogen worden.

Aufklärung kann dauern

Die Aufklärung der Boeing-Bruchlandung in San Francisco kann sich nach Angaben der amerikanischen Verkehrssicherheitsbehörde NTSB bis zu einem Jahr hinziehen. Jetzt werde damit begonnen, das neben dem Rollfeld liegende Flugzeugwrack zu zerlegen und die Teile nach und nach zu entfernen, teilte NTSB-Chefin Deborah Hersman am Donnerstag in San Francisco mit. Die in dieser Woche begonnene Befragung der Crewmitglieder, Rettungsteams und Passagiere werde fortgesetzt. (APA/AFP)


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