Wanderin auf Piste übersehen und getötet: Vier Monate bedingte Haft

Nach einem tödlichen Skiunfall musste sich am Freitag ein deutscher Urlauber vor Gericht verantworten. Er wurde zu vier Monaten bedingter Haft verurteilt.

Innsbruck – Wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen musste sich am Freitagvormittag ein 53-jähriger Urlauber aus Deutschland am Landesgericht Innsbruck verantworten. Drei Jahre Haft drohten.

Unter der Betrachtung der Gesamtsituation ging Richter Norbert Hofer beim Urteilsspruch jedoch nicht vom Vorliegen besonders gefährlicher Verhältnisse aus. Der Strafrahmen reduzierte sich dadurch auf ein Jahr Haft.

Davon ergingen vier Monate, die bedingt ausgesprochen wurden. Dazu muss der Deutsche für 6600 Euro Heli- und Dolmetscherkosten aufkommen.

Der Deutsche war im Jänner in Ischgl alkoholisiert an einer völlig übersichtlichen Stelle auf den zweifach markierten Wanderweg geraten. Dort befand sich zur selben Zeit eine 27-jährige Russin, die zu einer Hütte wandern wollte. Der 98 Kilogramm schwere Deutsche erfasste die junge Frau mit voller Wucht im Rückenbereich. Acht Tage später erlag die Russin im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.

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Der Urlauber gab beim Prozess an, keinerlei Markierungen oder Personen sofort bemerkt zu haben. Vor der Fahrt habe er ein Bier getrunken, nach dem Unfall noch einen Schnaps. Das Aprés-Ski am Vorabend hatte jedoch erst um 1:30 Uhr morgens nach etlichen Bieren geendet.

Richter Hofer begründete das Nicht-Vorliegen der besonders gefährlichen Verhältnisse mit einer Alkoholisierung von gerade einmal 0,15 Promille. Nach dem Unfall wurden zwar 0,56 Promille gemessen, der Urlauber hatte jedoch unmittelbar nach dem Vorfall einen Schnaps getrunken. Die Alkoholisierung zum Zeitpunkt des Zusammenstoßes wurde deshalb dementsprechend niedriger gewertet.

Zudem sei die Fahrtgeschwindigkeit relativ gemäßigt gewesen. Auch könne man den Streckenabschnitt als nicht gefährlich bezeichnen. Der deutsche Urlauber hatte sich somit sorgfaltswidrig verhalten, in dem er gegen Paragraf 2 der Pistenregeln verstoßen hatten, die das Fahren auf Sicht vorschreiben.

Der Deutsche nahm das nichtrechtskräftige Urteil sofort an.

Vor der Urteilsverkündung meinte der Skifahrer noch zu Richter Norbert Hofer: „Hier in Tirol wird man ja förmlich beim Skifahren zum Alkohol getrieben. Vor meiner ersten Fahrt brachte uns der Skilehrer zu einem Aprés-Ski-Lokal und sagte, ‚trinkt‘s ein paar Schnapserln, dass ihr lockerer werdet‘s‘.“

Der Silvretta-Seilbahnpistenchef bezeichnete vor Gericht das wenig steile Gelände am Unfallort als übersichtlich. In 22 Jahren sei hier noch kein derartiger Unfall passiert. (fell)


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