Temporäres Berufsverbot gegen Wiener Abtreibungsärztin

Bei mehreren Schwangerschaftsabbrüchen, die in der Ordination der Ärztin durchgeführt wurden, soll es zu schweren Komplikationen gekommen sein.

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Wien – Die erwartete Strafanzeige gegen die Wiener Abtreibungsärztin, in deren Ordination es laut der Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz zu zahlreichen schweren Komplikationen gekommen ist, wurde am Freitag erstattet. Dies teilten die Patientenanwältin und die Magistratsabteilung 40 (MA 40) der APA mit. Die Anzeige sei sowohl an die Behörde als auch an die Staatsanwaltschaft ergangen.

Am Freitag wurde gegen die Ärztin ein temporäres Berufsverbot verhängt. „Die Magistratsabteilung 40 hat aufgrund der Anzeige eines Krankenhauses an die Staatsanwaltschaft, auf der Basis von Paragraf 62 des Ärztegesetztes ein temporäres Berufsverbot verhängt“, teilte die Magistratsabteilung mit. Die gesetzliche Regelung laut dem Ärztegesetz ermögliche „die vorläufige Untersagung der Berufsausübung, sobald ein Strafverfahren wegen grober Verfehlungen bei Ausübung des ärztlichen Berufes eingeleitet worden ist und Gefahr im Verzug vorliegt“, hieß es zu dem vorläufigen Berufsverbot für die Wiener Abtreibungsärztin vonseiten der Magistratsabteilung 40.

Ärztin soll kommende Woche befragt werden

Dieses Verwaltungsstrafverfahren sei bereits vom zuständigen Magistratischen Bezirksamt gegen die Ärztin eingeleitet worden. Der Medizinerin wird „die Berufsausübung mit sofortiger Wirkung“ vorläufig untersagt. „Diese Ärztin ist daher bis zum rechtskräftigen Abschluss des gegen sie eingeleiteten Verwaltungsstrafverfahrens nicht mehr berechtigt, ihren Beruf auszuüben“, hieß es. Das werde von der Polizei auch überprüft. Anfang der kommenden Woche soll dann in den Ordinationsräumlichkeiten eine Nachschau wegen der hygienischen Verhältnisse (Paragraf 56 des Ärztegesetzes) erfolgen.

„Das Spital, das jene Frau behandelt hat, die am 11. Juni bei der Ärztin eine Interruption durchführen hat lassen und bei der die Gebärmutter perforiert wurde, hat die Anzeige erstattet. Sie liegt mir vor. Die Anzeige ist im Postweg“, erklärte zunächst die Patientenanwältin am Freitagvormittag gegenüber der APA.

Die Anzeige laute auf „Verdacht der fahrlässigen Körperverletzung“. Sigrid Pilz: „Die Frau hatte am 11. Juni um Mittag eine Interruption durchführen lassen. An jenem Tag ist sie dann um 21.30 Uhr mit der Ärztin ins Spital gekommen. Die Patientin war schwer schockiert, hatte starke Unterbauchschmerzen. Bei der Untersuchung wurden dann die Verletzungen festgestellt.“ Die Situation sei für die Betroffene bedrohlich gewesen.

Schwere Komplikationen in der Anzeige geschildert

Der Nachtrichtenagentur APA lag gegen Mittag die Anzeige des Krankenhauses vor.

Als Rechtsträger des Krankenhauses „bringen wir - angesichts einiger medizinischer Komplikationsfälle der im Betreff angeführten Ärztin in der Vergangenheit - vorsichtshalber den nachstehenden Sacherhalt zur Kenntnis, da in diesem aktuellen Fall eine strafrechtliche Relevanz nicht auszuschließen ist“, heißt es am Beginn des Schreibens.

Im Folgende wird auf die Ankunft der Frauen im Spital eingegangen. Die Ärztin habe angegeben, dass ihre Patientin „unter akuten Panikattacken leide“. Die Frau sei umgehend Untersucht worden und mit Verdacht auf eine Gebärmutterperforation sofort stationär aufgenommen worden. Noch in der Nacht wurde die Patientin notoperiert. Sie musste zwei Blutkonserven erhalten. Die Genesung nach der Operation verlaufe unkompliziert. Sechs Tage nach dem Eingriff sei sie „beschwerdefrei nach Hause entlassen worden.“

„Aus unserer Sicht erscheint in diesem Fall insbesondere bedenklich, dass die schädigende Komplikation, die auch bei Durchführung lege artis - selten aber doch - auftreten kann, von Frau Dr. (Name unkenntlich, Anm.) offenbar gar nicht erkannt worden sein dürfte“, heißt es von Seiten der Spitalsleitung in der Anzeige. Dies gehe auch aus einer Stellungnahme der Abteilungschefin der Gynäkologie des Krankenhauses hervor.

Temporäres Berufsverbot möglich

Laut Magistratsabteilung 40 gibt es zwar die Möglichkeit, ein temporäres Berufsverbot für einen Arzt oder eine Ärztin auszusprechen. Voraussetzung dafür ist aber, dass die zuständige Staatsanwaltschaft ein Verfahren eingeleitet hat und dies der Behörde mitteilt.

Das Berufsverbot gilt dann auch nur für die Dauer des Strafverfahrens und muss danach wieder aufgehoben werden, egal wie das Verfahren ausgegangen ist. Ein permanentes Berufsverbot könnte demnach nur die Österreichische Ärztekammer aussprechen. (APA, tt.com)


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