Aus für jeden 2. Dayli in Tirol

Die Drogeriemarktkette erleidet einen Kahlschlag. 42 Filialen und 127 Jobs sind in Tirol bereits verloren. Die restlichen Arbeitsplätze sind ohne Investor aber auch nicht zu retten.

Innsbruck, Wien –Die gestrige Entscheidung des Masseverwalters bedeutet für das Tiroler Filialnetz der angeschlagenen Drogeriemarktkette Dayli einen Kahlschlag. Von 98 Geschäften werden 42, also fast jedes zweite, zugesperrt. 127 Arbeitsplätze sind verloren. Insgesamt umfasste die Belegschaft von Dayli in Tirol zuletzt 336 Mitarbeiter.

Welche Standorte konkret vor der Schließung stehen, wurde beim Kreditschutzverband unter Hinweis auf noch ausständige rechtliche Beschlüsse am Freitag noch nicht bekannt gegeben. Die Filialen sollen aber bald veröffentlicht werden.

Ende Juli steht dann fest, ob auch die restlichen Dayli-Geschäfte am Ende sind. Bis dahin hat der neue Dayli-Chef, Unternehmensberater Martin Zieger, Zeit, einen Investor zu finden. Schon seit Mitte Mai hatte sich der damalige Eigentümer Rudolf Haberleitner auf der Suche nach einem Geldgeber befunden – erfolglos. Von einem Investitionsbedarf von 40 Mio. Euro ist jetzt bei Zieger die Rede, bei einem Schuldenstand von 56 Millionen.

Ohne Filialstreichungen hätte Dayli bis Ende September einen zusätzlichen Aufwand von 25 bis 40 Mio. Euro gehabt, rechnete die Creditreform vor. Durch die seit Kurzem laufende 40 %-Rabatt­aktion seien „die Umsätze enorm gestiegen“. Investoren hätten sich gemeldet.

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Knapp ein Jahr hatte das Gastspiel des davor fast unbekannten Investors Rudolf Haberleitner bei Dayli gedauert. Haberleitner hatte 2012 nach der Pleite von Schlecker in Deutschland 1350 Filialen in Österreich, Italien, Polen, Belgien und Luxemburg übernommen und in Dayli umbenannt.

Haberleitners Ankündigungen waren stets groß, doch schon von Beginn an wurden die Pläne des 68-Jährigen in Zweifel gezogen. Noch vor wenigen Tagen hatte der Ex-Eigentümer und nunmehrige Geschäftsführer kundgetan, er wolle die Filialzahl bis 2016 sogar um 60 Prozent erhöhen. Von diesem überraschenden Ansinnen scheint nun nichts mehr übrig zu sein.

Haberleitner wollte aus dem früheren Drogerieriesen Schlecker mit ramponiertem Image einen Nahversorger machen, ein Bauchladen-Geschäft, das vom Autoservice bis zur Zahnbürste alles hat.

Heftig umstritten waren auch Haberleitners Pläne, sämtliche Dayli-Filialen in Österreich an Sonntagen offen zu halten. In Tirol bildete sich dagegen ein Front aus Landesregierung, Gewerkschaft sowie Arbeiter- und Wirtschaftskammer.

Haberleitner wurde schließlich von einem seiner früheren Geldgeber zurückgepfiffen: dem Glücksspielkonzern Novomatic, der 25 Mio. Euro in Dayli eingebracht hat. Dieses Geld ist laut Kreditschutzverband bereits „vollends verschlungen“. (mark, APA)


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