Oft belächelt, von Kennern gefürchtet

Mit dem neu aufgelegten Dacia Sandero legt die Renault-Tochter aus Rumänien endgültig das Billig-Image ab. Der neue Kleine bietet nämlich ordentlich Leistung und reichlich Platz für wenig Geld.

Von Lukas Letzner

Innsbruck – Wie überall im Leben gibt es auch in der automobilen Welt gewisse Moderegeln, an die man sich einfach halten sollte. Wer diese Regeln bricht, der erntet oft nur ein mitleidiges Lächeln. Gott sei Dank unterliegen diese Trends bei den Autos ebenso einem Wandel und so zählen die Zeiten, in denen man als Fahrer eines Dacia mit so einem Lächeln bedacht wurde, mittlerweile zur Vergangenheit.

Spätestens seit seiner Neuauflage letztes Jahr avancierte der Sandero zu einem gefürchteten Gegner im heiß umkämpften Kleinwagensegment, denn vor allem hier zählt der Preis mehr als der eine oder andere Schnickschnack.

Dass er davon aber auch etwas zu bieten hat, beweist schon das Blechkleid unseres persanblauen Stadtflitzers. Die Frontpartie glänzt mittlerweile in Chrom-Optik, eine kecke Kontur verleiht den Flanken eine dynamische Note und aus den Scheinwerfern sind fast schon kleine Juwelen geworden. Dank der Design­abteilung braucht sich der kleine Rumäne auf dem Parkplatz jedenfalls nicht mehr zwischen VW-Polo und Konsorten zu verstecken.

Ebenso begeistert sind wir vom Innenraum des kompakten Sandero. Hat man erst einmal auf dem Fahrersitz Platz genommen, wird man von übersichtlich gestalteten Armaturen in Empfang genommen. Dank der vielen Ablagen findet sich auch für Schlüssel, Handy und diverse andere Kleinigkeiten das richtige Fach. Erwähnenswertes Detail am Rande: Vier Airbags und ESP sind schon bei der Basis mit an Bord. In diesem Segment ist das immer noch nicht selbstverständlich.

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Recht üppig ausgefallen ist das Platzangebot im Dacia. Ein Erwachsener kann auf den hinteren Plätzen ordentlich sitzen und der 320 Liter große Kofferraum schluckt dann den Rest. Durchgefallen sind bei uns allerdings die Pölster. Die sind deutlich dünner ausgefallen als bei der Konkurrenz.

Wer einen Blick hinter die verchromte Front unseres Sandero wagt, der entdeckt dort den Dreizylinder-Turbo, der auch im Konzernbruder Clio sein Tagwerk verrichtet. Der Ein-Liter-Zwerg leistet stolze 90 PS und schickt satte 135 Nm an die Vorderräder. Für einen Dreizylinder macht er das auch erstaunlich ruhig. Somit geht der kleinen Rumäne äußerst sportlich ans Werk und braucht für den Sprint auf Landstraßentempo nur knapp über 11 Sekunden. Er wirkt auch etwas agiler als sein Renault-­Pendant.

Der Kurvenspaß wird lediglich von dem etwas weich abgestimmten Fahrwerk geschmälert, ist aber weit weg davon, als „schlecht“ bezeichnet zu werden. Außerdem ist des einen Leid immer des anderen Freud und so schenkt der Sandero jedem auch noch so tiefen Kanaldeckel kein einziges Zucken, sondern bügelt gekonnt darüber hinweg.

Die natürliche Umgebung des Sandero ist somit das Stadtgebiet. Seine leichtgängige Lenkung macht den Dacia außerdem zu einem wahren König jeder Parklücke.

Sparsam sein – das ist auch das Motto der serienmäßigen Fünf-Gang-Schaltung. Die ersten Gänge sind kurz und knackig übersetzt und ermöglichen dadurch auch den einen oder anderen Ampelsprint, für die Gänge vier und fünf braucht man aber einen längeren Atem. Der Vorteil: Autobahngeräusche sind kein echtes Thema. Der Nachteil: Beim Überholen muss man etwas kräftiger in der Schaltbox rühren. Ein Hit ist auch der Verbrauch: 5,5 Liter waren es bei uns in 14 Tagen im Schnitt.

Der echte Knüller ist aber der Preis. Zu haben ist der Dacia Sandero bereits ab 7590 Euro. Wem die Ausstattung zu karg ausgefallen ist, der kann aus zahlreichen Extras auswählen. Wer beim Konfigurator ein Kreuz bei jedem verfügbaren Punkt setzt, muss für den 90-PS-Benziner dann 13.290,96 Euro auf den Tisch legen. Dann sind aber auch Navigation, Klima und Einparkhilfe mit von der Partie. Ein wirklich überzeugendes Argument also.


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