Die Verlängerung der Streckung

Der Fiat 500L wächst weiter. Jetzt in die Länge. Mit zwanzig Zentimetern mehr heißt er „Living“. Darin können bis zu sieben Leute mobil wohnen.

Von Beatrix Keckeis-Hiller

Mailand –Die amerikanische Wahlverwandtschaft wirkt sich im italienischen, mit Chrysler verbundenen Fiat-Konzern aus. Anzeichen dafür ist die Typenbezeichnung für das neue Mitglied der auch in den USA zunehmend beliebten 500er-Familie: Die neue Version des X-Large-Cinquecento, des Fiat 500L, heißt „Living“. Früher wäre es wohl der Zuname „Giardiniera“ gewesen, aber das geht nicht überall auf der Welt flüssig über die Lippen.

Nachdem auch das „X“ zum „Large“ nicht möglich ist – denn das ist für die im kommenden Jahr angekündigte Allrad-Version des Groß-Fünfhunderters reserviert –, soll mit „Living“ gleichzeitig der erweiterte (Wohn-)Raum bezeichnet sein. Der wurde durch eine 20-Zentimeter-Zugabe am hinteren Überhang erzielt. Damit misst die Verlängerung der Streckung & Dehnung in der Gesamtlänge 4,35 Meter. Fiats Marketing-Abteilung platziert den Neuen als Alternative zu klassischen Kombis, inklusive Siebensitz-Option.

Optisch wirklich auffallend ist das längere Heck nicht. Es wirkt weder angestückelt noch nachträglich aufgesetzt. Auch hat es aufs Innendesign und die Basiseinrichtung keine Auswirkungen. Im gewonnenen Raum können zwei zusätzliche (klappbare) Sessel aufgestellt werden. Oder man kann mehr Gepäck als bisher einräumen. Mindestens 560 Liter und maximal 1584 Liter, wenn man die im Verhältnis 40 zu 60 teilbaren Fondsitzlehnen faltet. Ist auch die Beifahrerlehne umgelegt, können lange Sachen bis zu 2,60 Meter untergebracht werden. Bei Belegung mit drei Sitzreihen allerdings verbleibt nur ein schmales Fach mit 168 Litern Fassungsvermögen. Auch sind die schmalen Zusatzsessel eher für Kinder zugeschnitten. Zudem sind sie nicht im Lieferumfang enthalten, die Auslieferung erfolgt in Österreich grundsätzlich mit fünf Sitzen. Damit hält sich die Leergewichts-Zunahme des Verlängerten im Rahmen des durchschnittlichen Gewichts eines größeren Kindes: Es sind 45 Kilogramm.

Ungeachtet dessen offeriert Fiat für den Living nicht ganz das gleiche Motorisierungsprogramm wie für den Kurzen. Nicht zum Einsatz kommt der Einstiegsbenziner, der 1,4-Liter-Sauger. Am unteren Leistungs-Ende firmiert hingegen der 1,3-Liter-Diesel (Multijet) mit 85 PS, kombiniert entweder mit manuellem oder automatisiertem Fünfgang-Schaltgetriebe. Weiters umfasst die derzeitige Antriebspalette einen­ Zweizylinder-Benziner, den 0.9 Twinair Turbo mit 105 PS, und einen Vierzylinder-Diesel, den 1.6 Multijet, mit ebenfalls 105 PS, beide mit manueller Sechsgang-Schaltung. Ab Herbst kommt noch eine bivalente Erdgas-Version hinzu, mit 80 PS, und in weiterer Folge zwei weitere Kandidaten: ein 1,4-Liter-Vierzylinder-Benziner und der 1,6-Liter-Diesel in dieser höheren Leistungsstufe. Beide haben 120 PS.

Verbrauchsseitig sind die Start-Motorisierungen zwischen 4,2 und 4,8 Liter Treibstoff angesiedelt (Norm-Mixkonsum pro 100 Kilometer). Die CO2-Emissionen bewegen sich in einem Rahmen von 110 bis 117 Gramm pro Kilometer. Start-Stopp-System ist jeweils serienmäßig an Bord.

Bei einer ersten Probe aufs Fahrexempel in der Innenstadt von Mailand und auf den umliegenden Autobahnen sowie Dorfstraßen erwies sich der Diesel – wiederum – als gelassenheitsfördernder Begleiter, mit Laufruhe, dezentem Geräuschniveau und kräftigem Antritt. Der Benziner verlangt – naturgemäß – nach Drehzahlen, beim Sound kommen Erinnerungen an frühere Fiat-­500- und -600-Tage hoch. Die Lenkung ist hier wie dort zielgenau, die Bremsen sind unbissig wirksam, das Fahrwerk filtert sehr brav und geschmeidig auch das gröbste Mailänder Kopfsteinpflaster weg.

Preislich muss man für den Fiat 500L Living mit ab 20.300 Euro kalkulieren. So viel kostet der 0.9 Twinair Turbo mit 105 PS im Mitgift-Niveau „Pop Star“, mit sechs Airbags, ESP, Berganfahrhilfe, manueller Klimaanlage, Leder-Lenkrad sowie -Schaltknauf, Einparkhilfe etc. Für 1500 Aufpreis gibt’s „Lounge“-Ausstattung mit automatischem Klima, Einparkhilfe hinten, Nebelscheinwerfern usw. Damit sind die Zugabe-Stufen abgehakt, es gibt nur diese beiden. Ein Knie-Airbag ist gegen Aufpreis zu haben. Die zusätzlichen Sitze für die dritte Reihe kosten 750 Euro.

Zu den österreichischen Händlern kommt der Living ab Mitte Oktober.


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