Bhutan hat zum zweiten Mal Parlament gewählt

Viele spüren nach fünf Jahren Demokratie keinen großen Unterschied zur alten Monarchie.

Thimphu - Im kleinen Himalaya-Staat Bhutan haben die Menschen zum zweiten Mal in der Geschichte des Landes ein neues Parlament gewählt. Fast 400.000 Menschen waren am Samstag zur Unterhauswahl aufgerufen. Sie konnten sich zwischen der bisher regierenden Partei für Frieden und Wohlstand (DPT) und der oppositionellen Volksdemokratischen Partei (PDP) entscheiden. Die Ergebnisse will die Wahlkommission des südasiatischen Landes Sonntag Früh mitteilen.

Der König hatte 2005 den Wandel von einer jahrhundertealten Monarchie zu einer parlamentarischen Demokratie mit zwei Kammern eingeleitet. Alle Parteien sind allerdings königstreu und konsultieren den im Land beliebten Monarchen in wichtigen Fragen. Vor allem: Keine stellt die Wichtigkeit des einzigartigen Bruttoglücksproduktes infrage, das sich aus der Zufriedenheit mit Umwelt, Bildung, Kultur und den eigenen Perspektiven zusammensetzt.

Ein Sprecher der Wahlkommission sagte kurz nach dem Ende der Wahl, er rechne mit einer Beteiligung von etwa 70 bis 80 Prozent. Bei der historischen ersten Wahl im Jahr 2008 waren etwa 80 Prozent der registrierten Wähler zur Urne gegangen.

Die bisherige Regierungspartei DPT gilt als Favorit, auch wenn viele Beobachter eine Stärkung der Opposition erwarten. Bei der vergangenen Wahl hatte die DPT in einem Erdrutschsieg 45 der 47 Sitze erhalten. Ein neues Oberhaus (Nationalrat) war bereits im April bestimmt worden.

„Wir haben in den vergangenen fünf Jahren keine Veränderung zur Monarchie bemerkt, keiner hat etwas für uns getan“, sagte der Bauer Ap Dau (58) vor dem Wahllokal in Wangsisina, etwa 20 Kilometer südlich der Hauptstadt Thimphu. Er habe mit den anderen Wahlberechtigten seines Dorfes zwei Stunden laufen müssen, da die Regierung keine Straße baue. „Was auch immer ich in meinem Leben erreicht habe, schuf ich mit meinen eigenen Händen“, fügte er hinzu.

Ob Monarchie oder Demokratie ist auch für Tshering (30), Sekretärin bei der Umweltkommission, nicht entscheidend. „Beides macht uns glücklich“, sagt sie über ihre meist buddhistischen Landsleute. Yeshi Choden (18), wünscht sich weniger Korruption. Und Politik dürfe auf keinen Fall die Menschen auseinander treiben.

Viele Menschen hätten zu viel Angst, ihre politische Meinung zu äußern, ärgert sich Geschäftsmann Sangay Dorji. Dabei habe Bhutan mit der wachsenden Arbeitslosigkeit und der Unterentwicklung der ländlichen Regionen sowie einer größer werdenden Einkommensschere erhebliche Probleme, die diskutiert werden sollten. „Wir wollen den Wandel. Aber davon haben wir unter der letzten Regierung nicht viel gesehen.“

Lily Wangchhuk ist Präsidentin der Partei Druk Chirwang Tshogpa, die im ersten Durchgang rausflog. Sie meint, die Menschen seien nicht ausreichend auf die Demokratie vorbereitet worden. „Jeder Bürger weiß zwar, wie er die elektronische Wahlmaschine betätigt. Aber es mangelt an dem Demokratieverständnis, das es den Menschen erlauben würde, sachkundige Entscheidungen zu treffen.“ (APA/dpa)


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