„Mischung aus James Bond und Sherlock Holmes“

Zwölf Osttiroler Notärzte aus den Seitentälern schlossen sich zu einem Verein zusammen. Sie haben gemeinsame Forderungen an die Politik.

Von Christoph Blassnig

Heinfels – „In einem der Osttiroler Täler Notarzt zu sein, verlangt nach einer Mischung aus Sherlock Holmes und James Bond!“, schmunzelt Notarzt Gernot Walder aus Außervillgraten. „So erkläre ich meine tägliche Arbeit meinen Studenten. Von der ersten Einschätzung am Telefon, ob ein Einsatz weiterer Rettungskräfte sofort notwendig erscheint oder man sich selbst zum Patienten begibt und vor Ort weitere Entscheidungen trifft, verlangt unsere Tätigkeit ein Höchstmaß an Können und Erfahrung. Nicht zuletzt durch die genaue Kenntnis unserer Patienten können wir einen Anruf schnell bewerten und richtig reagieren.“

Zwölf Notfallmediziner in den Einsatzgebieten Isel-, Puster- und Defereggental haben sich 2011 unter der Leitung von Dr. Walder im Verein „Tiroler Notarztverband, Bezirksgruppe Osttirol“ zusammengeschlossen. Der Verein gestaltet den Dienstbetrieb und kümmert sich um Ausrüstung und Materialbeschaffung. Weiters vertritt er die einzelnen Mitglieder nach außen. Kürzlich fand in Anwesenheit von Oberländer Bürgermeistern und den Abgeordneten Martin Mayerl (VP) und Josef Schett (Vorwärts) die Jahreshauptversammlung statt.

„Die durchgehende Erreichbarkeit des Notarztes ist nicht nur für die Landesleitstelle und Gesundheitseinrichtungen wichtig. Wir wollen unsere Hilfe zusätzlich direkt anbieten und haben deshalb in jedem der drei Einsatzgebiete eine leicht zu merkende Handynummer installiert“, erläutert Walder (siehe Infobox). Aus einer Umfrage unter Patienten wisse man, dass es gerade für ältere Betroffene nicht immer leicht sei, selbst herauszufinden, welcher Arzt gerade Dienst hat. „Diese Nummern verbinden rund um die Uhr direkt mit dem diensthabenden Mediziner. Meist führen wir den normalen Bereitschafts- und den Notarztdienst in Personalunion durch. Das ermöglicht uns, Notfälle nach dem Kriterienkatalog der Tiroler Gebietskrankenkasse zu erkennen und schnellstmöglich zu versorgen, dabei die Ressourcen aber optimal zu nutzen. Transporte und Krankenhauseinweisungen lassen sich so auf das notwendige Maß beschränken. Das spart Zeit und Geld.“

In bis zu 90 Prozent aller Fälle seien die Vitalfunktionen nicht bedroht und die Selbsthilfe nach telefonischer Abklärung daher ausreichend. Bei Unsicherheit des Patienten sollte in jedem Fall der Arzt über die neuen Nummern hinzugezogen werden.

Die günstige Verteilung der Ärzte in den Tälern ermöglicht auch in abgelegenen Gebieten von Innervillgraten, Prägraten oder St. Jakob eine Zeit von zumeist unter elf Minuten vom Anruf bis zum Eintreffen am Einsatzort. Nur im Kalsertal hat der Notarztverband keinen Stützpunkt, dorthin kann die Anfahrt länger als zwanzig Minuten dauern. Im gesamten Einsatzgebiet liegt die durchschnittliche Zeit bei 7,5 Minuten.

„Wir brauchen einen Ausbau unserer Schnittstelle zur Leitstelle Tirol. Sie wurde uns zugesagt, nach einem halben Jahr harren wir aber weiter der dringenden Umsetzung. Notwendig ist auch eine uneingeschränkte Blaulichtgenehmigung für unsere Ärzte. Das sollte uns nicht länger verwehrt werden“, äußerte Walder zwei Anliegen. Die anwesenden Politiker haben ihre Unterstützung in diesen Punkten zugesagt und zollten den Medizinern Respekt für ihre Arbeit.


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