Erhöhte Radioaktivität im Bielersee nahe AKW Mühleberg

Der Wert wurde bereits um das Jahr 2000 festgestellt, die Öffentlichkeit wurde nie informiert.

Genf - Im Bielersee nahe dem Kernkraftwerk Mühleberg in der Schweiz ist nach Informationen der „SonntagsZeitung“ um das Jahr 2000 herum eine erhöhte radioaktive Belastung festgestellt worden - ohne dass die Öffentlichkeit darüber informiert wurde. Wissenschafter wiesen bei ihren Messungen damals ungewöhnlich hohe Werte für Cäsium nach, wie die Zeitung erstmals unter Berufung auf eine Studie von Genfer Geologen berichtete. 70 Prozent des Trinkwassers in Biel stammt aus dem See, doch bestand nach Einschätzung von Experten keine Gesundheitsgefahr für die Bevölkerung.

Für die erhöhten Messwerte dürfte der Studie zufolge das etwa 17 Kilometer westlich von Bern gelegene Atomkraftwerk Mühleberg verantwortlich sein. Von dort aus fließt in geringen Mengen radioaktives Reinigungswasser in die Aare, das dann anschließend in den See gelangen kann.

Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit bestätigte diese Einschätzung grundsätzlich. Die genauen Umstände seien im Nachhinein aber nicht mehr herauszufinden. Aus gesundheitlicher Sicht seien die Werte nicht alarmierend gewesen. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) und der Betreiber der Anlage verwiesen darauf, dass die Grenzwerte nicht überschritten worden seien.

Politiker und Umweltaktivisten reagierten dennoch empört auf den Bericht. Niemand habe ihn über die ungewöhnlich hohe Cäsium-Konzentration informiert, sagte der langjährige Bürgermeister der Stadt Biel, Hans Stökli, der Zeitung „Le Matin Dimanche“. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte, dass das ENSI die Öffentlichkeit nicht über die erhöhte radioaktive Belastung informierte und forderte die Staatsanwaltschaft auf, Ermittlungen einzuleiten. (APA/AFP)

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