Energiepark für die Stadt Wörgl

Die Wörgler Stadtwerke setzen weitere Schritte zur Energiemetropole. Im Areal des neuen Wertstoffsammelhofs sollen das neue Holzgas-Kraftwerk und ein Energiehaus entstehen.

Von Veronika Spielbichler

Wörgl – Ein ambitioniertes Projekt wollen die Stadtwerke Wörgl auf eigenem Grund beim ehemaligen Tiefbrunnen im Westen der Stadt realisieren: Auf einem Areal von 14.400 Quadratmetern entsteht ein neuer Wertstoffsammelhof. Weiters geplant ist dort das Kraftwerk Gamma, das mittels neuer Technologie aus Holzgas Energie gewinnt, sowie ein Energiehaus als Besucherzentrum und Veranstaltungsort, der durch die Anlage eines Energieparkes eine besondere Attraktion erhalten soll. Die Stadtwerke laden zur Mitgestaltung dieser Freizeiteinrichtung die Wörgler Bevölkerung ein, im Rahmen eines Bürgerbeteiligungsprozesses ihre Ideen einzubringen, und präsentierten das Projekt erstmals beim Wörgler Kulturstammtisch.

„Wir wollen im Energiebereich etwas Einzigartiges schaffen“, erklärt Stadtwerkegeschäftsführer Reinhard Jennewein, den die Projekt-Idee seit zwei Jahren nicht mehr loslässt. Als Erstes wird anstelle des Recyclinghofes beim Feuerwehrhaus auf dem Stadtwerke-Areal neben dem Bellaflora-Markt ein neuer Wertstoffsammelhof errichtet, Spatenstich dazu ist im September. Dieser beinhaltet auch eine Strauchsammelstelle, da Ende 2015 die Wörgler Kompostieranlage aufgelassen und der Bioabfall zur neuen Vergärungsanlage bei der Verbandskläranlage Kirchbichl geliefert wird. Der neue Wertstoffhof wird mit einer Citybus-Haltestelle und einem Pkw-Zutrittssystem über die Wörgler Energy-Card ausgestattet. „Auf dem Dach errichten wir auf 2000 Quadratmetern eine weitere Photovoltaik-Anlage, für die wir wieder Wörgler Sonnenscheine ausgeben“, sagt Jennewein. Das Dach des Wertstoffhofes wird in Holzleimbinder-Bauweise gefertigt, das Thema Holz soll am gesamten Gelände „ein starkes Thema werden“.

Holz aus den Wäldern der Region wird auch der Brennstoff für das neue Kraftwerk Gamma. Die Technologie dazu ist eine Tiroler Innovation – Holzgas wird in einem Reaktor verbrannt und bringt so mehr Energieeffizienz als herkömmliche Verbrennung. „Die Firma Thöni betreibt bereits erfolgreich zwei Prototypen. Die Stadtwerke Wörgl wären der erste Betrieb weltweit, der diese Technologie für ein größeres Kraftwerk umsetzt“, erklärt Jennewein. Die 1800-kW-Anlage soll jährlich eine Million Kilowattstunden Ökostrom ins Stadtwerkenetz und drei Millionen Kilowattstunden Wärmeenergie ins neue Stadtwärmenetz einspeisen.

Der dritte Schwerpunkt am „Energiegelände“ wird die Bewusstseinsbildung, wofür die Stadtwerke ein Energiehaus errichten wollen. „Im Energiehaus werden ganzjährig Ausstellungen zu Energie-Themen stattfinden. Im Obergeschoß ist ein Mehrzwecksaal für 120 Personen eingeplant, mit Besucherflächen und einer Cafeteria im Erdgeschoß errichten wir hier die Infrastruktur für Veranstaltungen“, so Jennewein.

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Als weiterer Baustein zur Energie-Informationsarbeit planen die Stadtwerke einen rund 9000 Quadratmeter großen Freibereich als Energiepark. „Das Gelände liegt am Radweg und soll eine offene Erholungszone werden“, wünscht sich Jennewein. Eine Gratis-Solarstromtankstelle für E-Bikes ist hier ebenso vorgesehen wie die Darstellung erneuerbarer Energieformen wie Wasserkraft, Solarenergie, Biomasse und Windkraft. Jennewein schwebt die Weiterentwicklung zum Energie­-pfad durch die Stadt vor, ein Ziel sei es auch, Energie-Tourismus dadurch anzulocken.

Der Recyclinghof wird im Frühjahr 2014 eröffnet, bis Ende dieses Jahres soll die Entscheidung über den Bau des Kraftwerkes Gamma sowie über anlagetechnische Details erfolgen, mit dem Bau von Kraftwerk und Energiehaus rechnet Jennewein im Sommer 2014. Der Energiepark soll ab 2015 umgesetzt werden.

Während die Finanzierung für den Wertstoffsammelhof (1,95 Millionen Euro, finanziert aus den Abfallgebühren) und das Kraftwerk Gamma mit Energiehaus (2,6 Millionen Euro von den Stadtwerken mit einer Amortisationszeit von 8 bis 10 Jahren) steht, werden für den Energiepark noch Finanzierungsquellen gesucht. Einerseits in Form von Partnerschaften, andererseits über Projektförderun-gen. „Wir kennen den Finanzbedarf noch nicht, schätzen ihn aber bisher auf rund 500.000 Euro“, so Jennewein, der sich auch bewusst ist, dass die Kosten für den Energiepark nicht nur in der einmaligen Errichtung liegen, sondern dann durch den Betrieb und die Vermittlungsarbeit weiterlaufen.


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