Aus der Ruhe grüßt das Murmeltier

Zwischen Alpenrosen und Enzian führt die Neumarkter Runde auf die Olpererhütte in den Zillertaler Alpen. Wer oben einen Adrenalinkick sucht, kann sich über eine Hängebrücke wagen oder im Klettergarten kraxeln.

Von Miriam Hotter

Mayrhofen –Ein Pfiff schallt über den Hang. Niemand zu sehen. Da, schon wieder! Die Wanderer kneifen ihre Augen zusammen, um bei dem strahlenden Sonnenschein besser sehen zu können. Vergebens. Lediglich einen Unterschlupf können sie entdecken. Seinen Kopf streckt das Murmeltier aber nicht heraus. Oder war da doch etwas?

Wir befinden uns auf einem Pfad Richtung Olpererhütte in den Zillertaler Alpen. Die Neumarkter Runde gilt als eine der schönsten Aussichtstouren im Tiroler Unterland. Zurecht: Links und rechts blühen Alpenrosen und Enzian, dazwischen schlängelt sich ein Bach den Hang hinunter.

Darüber ragt der 3476 Meter hohe Olperer, der Hausberg der gleichnamigen Schutzhütte, pyramidenförmig zum Himmel. Ins Auge stechen auch die zwei höchsten Gipfel des Tales, angefangen beim Hochfeiler mit seinen 3510 Metern und dem Großen Möseler mit 3480 Metern. Und immer wieder versteckt sich ein Murmeltier hinter Felsen und warnt mit Pfiffen seine Kolonie.

Ausgangspunkt der dreistündigen Tour (650 Höhenmeter) ist der Parkplatz am Schlegeis-Stausee. Am Ende des Parkplatzes, gegenüber des Kiosks „Zamsgatterl“, führt der Weg 532 rechts hinauf durch Latschen ins Unterschrammachkar. Dort folgt man dem Verlauf des Riepenbaches. Beim Zusammentreffen mit dem Weg 502 geht man zunächst auf diesem nördlich weiter, später östlich und wieder nördlich auf dem Panorama-Höhenweg über Platten zur Olpererhütte.

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Dort angekommen, hört man immer noch die scheuen Murmeltiere, wenn die Pfiffe nicht gerade von Snowy übertönt werden. Der Husky mit den eisblauen Augen gehört der Hüttenwirtin Katharina Daum aus Mayrhofen. Die 46-Jährige bewirtschaftet gemeinsam mit ihrem Sohn Manuel (26) die Olpererhütte. „Wir sind den sechsten Sommer hier“, beginnt die Wirtin zu erzählen. Ihren Sohn habe sie bereits in den Bergen aufgezogen, als sie eine Schutzhütte im Stilluptal mitbetreute. „Als das Angebot kam, die Olpererhütte zu übernehmen, sagte ich zuerst ab“, erklärt Daum. Das Risiko, alleine mit ihrem damals erst 19-jährigen Sohn eine Hütte zu führen, war ihr zu groß. „Nach einem halben Jahr ist die Sektion Neumarkt erneut an uns herangetreten und dann haben wir doch Ja gesagt“, erinnert sie sich.

Zum Glück – das denken sich nicht nur die Gäste, sondern auch die vier Studenten aus Tirol und Deutschland, die auf der Olpererhütte einen Sommerjob gefunden haben. Einer davon ist der 21-jährige Stefan Lechner aus Mayr­hofen, der sich an diesem Tag seinem ersten Arbeitstag stellt. „In den Bergen bin ich am liebsten“, meint er. Hier oben könne er sich in den Ferien erholen – auch wenn er arbeiten muss. „Das Team ist einfach spitze, wir haben eine Menge Spaß“, sagt Lechner.

Den Spaß holen sie sich unter anderem im nahe gelegenen Klettergarten, den die Hüttenwirtin vor Kurzem eingerichtet hat. Acht Routen zwischen dem vierten und achten Schwierigkeitsgrad befinden sich auf einem Fels links oberhalb der Hütte.

Für die Extraportion Adrenalin sorgt eine Hängebrücke, die nur zwei Gehminuten von der Hütte entfernt liegt. „Da schlottern einigen die Knie“, sind sich Hüttenwirtin und Mitarbeiter einig. Sie sollen Recht behalten: Auch wenn die Brücke nur knapp zehn Meter lang ist, erfordert sie Mut. Doch der Blick hinab auf den vier Kilometer langen Stausee ist überwältigend – und alles scheint plötzlich stillzustehen. Die Ruhe wird durch einen Pfiff unterbrochen. Schon wieder ein Murmeltier? Nein, die Kollegen: Es geht zurück ins Tal.


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