Der Ötztaler kommt im Jahr nur 90 Tage ohne Heizen aus

Das erste „Ofnbonkpalaver“ im Längenfelder Gedächtnisspeicher widmete sich einem heißen und heimeligen Thema: dem Ofen.

Von Thomas Ploder

Längenfeld – „Wir möchten in lockerer Atmosphäre über Themen reden, die dem Tal am Herzen liegen. Erinnerungen aufleben lassen, die in keiner schriftlichen Quelle, wohl aber in den Köpfen und Herzen der Menschen zu finden sind“, schildert Ingeborg Schmid-Mummert, die Leiterin des Ötztaler Gedächtnisspeichers, die Hintergründe einer neuen Veranstaltungsreihe. Weil der Ofen und die Bank oft das Zentrum von Gesprächen im Familien- und Freundeskreis bildeten, nannte Schmid-Mummert ihre Initiative auch „Ofnbonkpalaver“. Deshalb stellte sie den Ötztaler Ofen und das Ofenbauen in den Mittelpunkt des Eröffnungsabends.

Erich Moser, Landesinnungsmeister der Hafner, erklärte zu Beginn den Begriff der so genannten Ofenlandschaften: „Bezogen auf den gemauerten Ofen, ist das Ötztal die typischste Ofenlandschaft im gesamten Alpenbogen“, so Moser, „ungefähr 500 Öfen mit der markanten Form – rechteckiger Sockel mit aufgemauertem Fassl – stehen noch im Tal“, in dem es nie gewerbsmäßige Ofensetzer, wohl aber herausragende Ofenbauer gegeben habe. „In diesem Tal spielt sich’s nicht ohne Ofen, auch wenn’s anfangs vielleicht nur eine übermauerte Feuerstelle war“, so Moser. Denn „hier kommt man auf nur etwa 90 Tage im Jahr, an denen man nicht einheizen muss“.

Die Grafikerin Emanuela Delignon gewährte den Besuchern Einblick in ihr 1975 entstandenes Skizzenbuch, in dem sie die Arbeit des genialen Ofensetzers Adolf Soukopf dokumentierte. „Fotografieren war da nicht möglich, weil es zu finster und zu eng war. So musste beim Zeichnen alles sehr schnell gehen“, so Delignon. „Der wartet ja nicht, der steht ja nicht Modell, also musste ich mir merken, was der alles gemacht hat und ich musste versuchen, das so wiederzugeben.“

Beim anschließenden Meinungsaustausch, dem „Palaver“, wie es Ingeborg Schmid-Mummert bewusst bezeichnet, war unter anderem zu erfahren, dass das „Hexaustreiben“ beim ersten Einheizen des neu gemauerten Ofens durchaus auch einen physikalischen Hintergrund hat. „Dazu hörten wir, wie wertvoll ein kaputter Ofen im Sommer zum Kühlen sein kann. Wir erfuhren von einer Gasthauswette, die schließlich darin endete, dass ein ganzes Haus rund um den bereits fertigen Ofen gebaut wurde, oder wie ein vermeintlicher Holzdiebstahl mit einem explodierten Stubenofen endete“, fasst Schmid-Mummert einige Fakten zusammen, die sie in der Folge wissenschaftlich auswertet und der Sammlung des Gedächtnisspeichers zuführen wird.

An der Frage, welche Steine aus der Ache am geeignetsten für den Ofenbau seien, entzündete sich eine hitzige Diskussion. Einigkeit herrschte allerdings darüber, dass der Ötztaler Ofen ein wichtiges kulturelles Identifikationsmerkmal bildet, auch wenn es heutige Auflagen verunmöglichen, ihn so zu bauen, wie er über Jahrhunderte gebaut wurde.


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