Deutscher Geheimdienst bediente sich an umfassender US-Spionage

Der Bundesnachrichtendienst soll laut „Bild“-Zeitung schon lange von den Ausspähungen der NSA gewusst haben. Auf die Daten der US-Kollegen wurde auch immer wieder zurückgegriffen.

Washington/Berlin - Der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) wusste nach einem Zeitungsbericht offenbar schon lange von den umfangreichen Ausspähungen und Speicherungen von Daten deutscher Bürger durch den US-Geheimdienst NSA.

Darauf weise die Praxis hin, dass der BND in den vergangenen Jahren immer wieder US-Geheimdienste um Hilfe gebeten habe, wenn Deutsche im Ausland entführt wurden, berichtete die „Bild“-Zeitung am Montag. „Darin ging es ganz konkret um die Abfrage gespeicherter Kommunikationsvorgänge deutscher Staatsbürger.“ Die Zeitung berief sich bei ihren Informationen auf Angaben aus US-Regierungskreisen.

BND bat Amerikaner um Hilfe

Dem Bericht zufolge bat der BND bei Entführungen von Deutschen etwa in Afghanistan oder auch im Jemen die amerikanischen Dienste um Hilfe. Dabei sei es um die letzten Telefon- und Mailkontakte der Entführten gegangen. „Die Daten der NSA flossen so mehrfach in die Arbeit deutscher Krisenstäbe ein, um Entführte zu befreien“, hieß es in dem Bericht. US-Regierungs- und Geheimdienstkreise betonten „Bild“ zufolge, dass der BND seit Jahren von der nahezu totalen Datenerfassung der NSA wisse und in Gefahrenlagen darauf zurückgreife.

Dass die deutschen und US-Nachrichtendiensten seit Jahren eng kooperieren, ist offiziell nicht bestritten worden. Auch das österreichische Heeresnachrichtenamt (HNaA) arbeitet mit anderen, internationalen Geheimdiensten zusammen. Bundespräsident Heinz Fischer erklärte am Sonntag, dass er mit der Zusammenarbeit österreichischer Sicherheitsbehörden mit dem US-Geheimdienst kein Problem habe.

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Mehrheit für Snowden-Asyl in Österreich

Bei einer Umfrage des „Humaninstitut Vienna“ sprachen sich indes 53 Prozent der Österreicher für die Gewährung von politischem Asyl für Aufdecker Edward Snowden aus. Demnach sind 29 Prozent der Befragten gegen Asyl für Snowden in Österreich, 18 Prozent machten keine Angabe. Vor einer Woche hatte eine Umfrage des Instituts OGM im Auftrag der Tageszeitung „Kurier“ noch eine relative Mehrheit von 46 zu 37 Prozent gegen politisches Asyl für Snowden ergeben.

Eine Auslieferung Snowdens an die USA wird nur von acht Prozent der Österreicher befürwortet, 71 Prozent sprachen sich laut „Humaninstitut“ dagegen aus. 64 Prozent der Befragten befürworten das Verhalten des US-Computerspezialisten, der das geheime Internet-Überwachungsprogramm des Geheimdienstes NSA enthüllt hatte. Lediglich 20 Prozent haben eine negative Haltung zu Snowden.

Mehrheit für härtere Reaktionen

Nicht zufrieden sind die Österreicher mit der Reaktion der Bundesregierung auf die US-Spionageaffäre. 61 Prozent der Befragten qualifizieren sie als „unangemessen“. 86 Prozent der Befragten hätten sich härtere Reaktionen der Regierung auf die Spitzelaffäre erwartet.

Die Überwachung des Internets durch einzelne Staaten finden 22 Prozent richtig, 73 Prozent nicht. Eine relative Mehrheit von 46 Prozent der Befragten gab an, sich persönlich überwacht zu fühlen. 34 Prozent verneinten diese Frage. Die Umfrage wurde vom 12. bis 15. Juli durchgeführt. Befragt wurden 800 Personen.


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