Skrupel und Leiden eines Autors

Brian Klugman und Lee Sternthal verfolgen in ihrem Debüt den „Dieb der Worte“.

Innsbruck –Die Berufe der Figuren haben in den meisten Filmen keine Bedeutung für die Handlung, außer es handelt sich um Arzt oder Anwalt. Autoren, Schriftsteller ohne eindeutiges berufliches Umfeld befinden sich in der Bilderwelt des Kinos am untersten Rand der sozialen Wertschätzung. Außerdem lässt sich die Leistung eines Autors, einer Autorin nur mit kargen Bildern zeigen. Im günstigsten Fall bleiben nach einem Arbeitstag am Schreibtisch nur einige Blätter mit Text. Schriftsteller sind im Kino daher gebrochene Figuren.

Bereits 1999 schrieben Brian Klugman und Lee Sternthal bei einem Workshop im Screenwriters Lab des Sundance Institute das Drehbuch zu „Der Dieb der Worte“, doch für das Projekt fand sich kein Produzent. Dafür ergatterte das Autorenduo lukrative Anstellungen als Geschichtenentwickler bei Disney und in der Firma von Johnny Depp. Nach dem Welterfolg von Woody Allens Schriftstellerkomödie „Midnight in Paris“ bekamen Klugman und Sternthal auch die Chance für ihr gemeinsames Regiedebüt, denn ihr „Dieb der Worte“ hat auf den ersten Blick alles, womit schon Woody­ Allen auftrumpfen konnte: Hemingway und Paris. In „Midnight in Paris“ schlüpfte ein Schriftsteller durch ein Zeitfenster, um in den verrückten 20er Jahren die Helden der Ära zu treffen. Brian Klugmans und Lee Sternthals „Dieb der Worte“ ist dagegen der erfolglose US-Schriftsteller Rory Jansen (Bradley Cooper), der besessen Texte in seinen Laptop hämmert und mit Verweisen auf die Wirtschaftslage nur Ablehnungen kassiert.

Bei seiner Hochzeitsreise nach Paris folgt er den Spuren Hemingways, um vor den bekannten Gedenktafeln eine stille Andacht einzulegen. Seine Frau Dora (Zoe Saldana) interessiert sich für Flohmärkte, wo sie immerhin eine alte Aktentasche findet, ohne die kein Schriftsteller auskommt. In einem Geheimfach lungert ein betörendes Romanmanuskript, das Jansen nach anfänglichen Skrupeln unter seinem Namen veröffentlicht und damit zum Star der Literaturszene aufsteigt. Diesen Aufsteig verfolgt ein alter Gärtner (Jeremy Irons) mit besonderer Aufmerksamkeit, da der Roman seine Geschichte erzählt. Als US-Soldat kam er 1944 nach Paris, wo er sich in die Kellnerin Celia (Nora Arnezederr) verliebte und nach dem Tod der gemeinsamen Tochter einen Roman über den Schmerz und die Liebe in eine Kofferschreibmaschine klopfte. Celia, nicht gerade eine Liebhaberin von Literatur, ließ den traurigen Roman in der Aktentasche in einem Zug liegen. Glücklicherweise verfolgt der Gärtner keine finanziellen Interessen und gibt sich mit der Störung des moralischen Empfindens zufrieden. Darüber schreibt der Literaturstar Clay Hammond (Dennis Quaid) einen Roman. Ihm gehört die Stimme des Off-Erzählers, der die Zeitsprünge erklärt. Das ist in einem Film immer die unglücklichste Lösung, erklärt aber, warum Schriftsteller im Kino langweilen. (p. a.)

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