Eine Dosis Meer auf Rezept

Schon der griechische Arzt Hippokrates behandelte seine Patienten mit Meerwasser. Und auch heute noch wird die Natur-Apotheke genutzt, um vor allem Haut- und Atemwegsbeschwerden zu lindern.

Von Nicole Unger

Innsbruck –Ein Aufenthalt am Meer löst bei den meisten Urlaubern eine Welle der Begeisterung aus. Schon allein beim Gedanken an sanfte Brandungsgeräusche fühlt man sich entspannter. Menschen mit gesundheitlichen Problemen können von der guten Brise noch mehr profitieren. Bei Rheuma, Erschöpfung aber vor allem bei Haut- und Atemwegserkrankungen hat sich die Heilkraft des Meeres als positiv erwiesen.

Das Meerwasser ist mit seinem hohen Salzgehalt ein Eldorado an Mineralstoffen und Spurenelementen, die durch das Meeresschaukeln freigesetzt werden und über Haut oder Atemwege in unseren Körper gelangen. In Kombination mit der Sonne, die die Vitamin-D-Produktion ankurbelt – wovon wiederum das Immunsystem profitiert – entfaltet das Meerklima seine therapeutische Wirkung.

„Nutzen daraus können vor allem Patienten mit Neurodermitis, mit Schuppenflechte, anderen Schuppenerkrankungen, so genannten Ichtyosen und Akne ziehen, erklärt Matthias Schmuth, Vorstand der Innsbrucker Hautklinik.

Studien, bei denen Barrierefunktion der Haut und Entzündungsfaktor nach Meerwasserbädern gemessen wurden, zeigten eine deutliche Linderung der Beschwerden. Eine komplette Heilung rein durch Meerwasser könne man sich laut Schmuth aber nicht erwarten. Der positive Effekt hält zwar auch einige Wochen nach dem Urlaub an, lässt aber mit der Zeit nach.

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Aufpassen sollte man allerdings bei offenen Wunden. „Hat man z.B. gerade einen akuten Neurodermitisschub mit offenen Stellen, wirkt das Salzwasser kontraproduktiv und die Wunden können brennen und jucken“, warnt der Mediziner.

Am vielversprechendsten für eine Haut-Therapie ist ein Aufenthalt am Toten Meer. In dem Gewässer ist pro Liter Wasser zirka zehnmal so viel Salz gelöst wie im Mittelmeer. Doch auch Frankreich, Italien und Korea seien laut Schmuth Destinationen, die sich auf Klimaheilbehandlungen spezialisiert hätten.

Das raue Klima der Nord- und Ostsee wirkt wiederum – übrigens genauso wie das Klima am Hochgebirge – wohltuend für Menschen mit Atemwegsproblemen. „Man spricht hier von einem so genannten Reizklima, bei dem mehrere Faktoren zusammenspielen. Einerseits kommt es zu einer Aerosolbildung. Durch die Gischt wird das Salz regelrecht versprüht“, spricht Elisabeth Horak, Oberärztin der Kinderpneumologie an der Klinik Innsbruck, von einer „Dauer­inhalation“. Andererseits ist die Gegend recht karg und daher sehr pollenarm. Der raue, kalte Wind härtet zudem den Körper ab, was wiederum das Immunsystem stärkt. Und nicht zuletzt spielt die Sonne als Vitamin-D-Lieferant eine wichtige Rolle.

Die Nord- und Ostsee gilt mittlerweile als Thalasso-Hochburg. Kurzentren, auch speziell für Kinder, gibt es laut Horak, die selbst eine Zeit in einem solchen gearbeitet hat, zuhauf. Nur drei Tage hinzufahren würde allerdings nicht ausreichen. Kuraufenthalte von mindestens drei Wochen sind erforderlich, so Horak. Ob es zu einer Dauerheilung der Atemwegserkrankung kommen kann, hängt von der Schwere der Krankheit ab. Bei Kindern mit „Schwachstellen“ wie Husten, Schnupfen oder Bronchitis kann dem Immunsystem durchaus auf die Sprünge geholfen und Krankheiten auskuriert werden, weiß die Ärztin. Bei schweren Asthmafällen wird es aber nicht ohne Medikamente gehen.

Sich das Meer nach Hause zu holen, funktioniert leider nicht so, wie man sich das wünschen würde. „Mit Meersalz zu inhalieren schafft nur eine punktuelle Erleichterung“, sagt Horak. Und auch bei Meersalzprodukten sollte man vorsichtig sein. „Nicht überall, wo Meer drauf steht, ist auch Meer drinnen“, weiß Hautarzt Schmuth.


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