Geschworene überzeugt: Zimmerman hatte Todesangst

Die Nacht, in der Trayvon Martin starb, habe tragisch geendet, sagte die „Geschworene B-37“ im CNN-Interview und gibt damit erstmals Einblick in die Urteilsfindung. George Zimmerman habe aber keine Schuld am Tod des Teenagers. Er habe sich „ohne Zweifel“ in Todesangst gewehrt.

Sanford - 16 Stunden berieten die sechs Geschworenen, dann stand das Urteil der sechs Frauen fest: George Zimmerman ist unschuldig. Doch bei der ersten Abstimmung, gleich nach dem Ende der Verhandlung, war die Jury gespalten: Drei stimmten für „nicht schuldig“, drei hingegen wollten den 29-Jährigen für den Tod von Trayvon Martin zur Verantwortung ziehen. „Sie wollten ihn wegen irgendetwas schuldig sprechen. Doch nach stundenlangen Beratungen und nachdem wir immer und immer wieder die Gesetze gelesen hatten, war klar, dass wir nur zu diesem Urteil kommen konnten“, erklärte eine der Geschworenen am Montagabend bei CNN. Die Frau selbst, die in der Sendung „Anderson Cooper 360“ als „Geschworene B-37“ vorgestellt wurde, war von Anfang an von der Unschuld Zimmermans überzeugt.

Jeder hat das Recht, eine Waffe zu tragen

„Ich glaube, George Zimmerman hat das Herz am rechten Fleck. Doch dann lief alles schrecklich falsch an diesem Abend“, sagte die Frau, deren Identität ebenso wie die der restlichen Jury-Mitglieder weiter geheim gehalten wird. Der Hispano-Amerikaner, der für eine Bürgerwehr Patrouille ging, sei nach etlichen Einbrüchen und anderen Vorfällen in der Nachbarschaft einfach frustriert gewesen, habe jemanden fassen wollen. Als er Trayvon Martin dann in der regnerischen Winternacht durch das Viertel streifen sah, habe ihm der 17-Jährige schlicht verdächtig vorkommen müssen. „Jeder würde glauben, dass eine Person verdächtig ist, die die Straße entlang geht, immer wieder stehen bleibt und um sich schaut, – wenn es damals genau so geschehen ist.“

Dass der Abend mit dem Tod des 17-jährigen Afro-Amerikaners geendet habe sei tragisch. Doch seien sie und die anderen fünf Geschworenen am Ende überzeugt gewesen, dass es sich um Notwehr gehandelt habe. „Er hatte jedes Recht, sich selbst zu verteidigen. Wenn er Angst um sein Leben hatte, oder davor, verletzt zu werden, hatte er dieses Recht.“ Im Übrigen habe jeder das Recht, eine Waffe zu tragen – so lange man sie verantwortungsvoll einsetze.

Hautfarbe spielte keine Rolle

Den einzigen Vorwurf, den sie Zimmerman eventuell machen könne, sei, dass er nicht seinen „gesunden Menschenverstand“ eingesetzt habe. Als er aus dem Auto heraus den Notruf absetzte, hätte Zimmeman darin sitzen bleiben sollen. „Ich glaube, er hat sich zu sehr hineingesteigert. Aber Trayvon hat sich gleichzeitig entschieden, sich nicht einschüchtern zu lassen. Und ich glaube, er wurde wütend und hat als Erster zugeschlagen.“ Alles in allem seien Schütze und Opfer verantwortlich für den Ablauf des Abends. „Sie hätten beide weggehen können. Aber das ist nicht passiert.“

Dass Zimmerman Trayvon Martin ins Visier genommen habe, weil er schwarz sei, glaube sie nicht. Und auch für die sechs Geschworenen habe die Hautfarbe des Opfers keine Rolle gespielt. „Das war nie ein Thema. Darüber haben wir nicht gesprochen.“ Ausschlaggebend für den Freispruch seien am Ende nicht nur die wenig überzeugenden Zeugen der Staatsanwaltschaft gewesen, sondern der Mitschnitt des Notrufs, in dem im Hintergrund eine Stimme um Hilfe ruft. „Ich bin mir ganz sicher, dass es Georges Stimme ist. Das war ein langer, verzweifelter Hilfeschrei von jemandem, der Angst um sein Leben hat.“

Rückzieher vom Buch-Deal

Eigentlich hatte eine Agentin vor dem CNN-Interview angekündigt, die „Geschworerne B-37“ werde ein Buch über ihre Erfahrungen bei dem Prozess schreiben. Doch kurz nach der Ausstrahlung änderte die Frau, die mit den anderen Jury-Mitgliedern während der Verhandlungen komplett von der Außenwelt abgeschnitten war, ihre Pläne. Seit der Rückkehr zu ihrer Familie und in den Alltag sei ihr klar geworden, dass es für sie besser sei kein Buch zu schreiben und einfach nur zu ihrem normalen Leben zurückzukehren, ließ sie in einem Statement verlauten. „Ich verstehe, dass es notwendig war uns abzuschirmen, damit wir ohne Einfluss von der Außenwelt unser Urteil fällen konnten. Aber die Isolation hat mich auch von den tiefen Schmerzen ferngehalten, die jeder Aspekt dieses Falls in der Öffentlichkeit ausgelöst hat.“ (smo)

Links

CNN-Bericht: http://edition.cnn.com/2013/07/15/justice/zimmerman-juror-book/index.html?hpt=hp_c1

Video vom kompletten Interview (Englisch) Teil 1: http://www.youtube.com/watch?v=vvrpp4SODBE

Video vom kompletten Interview (Englisch) Teil 2: http://www.youtube.com/watch?v=hyO65lOx0r4


Kommentieren


Schlagworte