Facebook-Veranstaltung: Plötzlich stand der Staatsschutz vor der Tür

Ein Deutscher rief per Facebook zum NSA-Schauen auf: Das brachte dem Mann Besuch von Polizei und Staatsschutz ein. Er zog sein Vorhaben dennoch durch.

Griesheim – Seit Bekanntwerden des NSA-Abhörskandals ist ein 28-jähriger Deutscher genervt von den umfassenden Überwachungsaktionen der US-Geheimdienste in Deutschland. Und ausgerechnet in seinem Heimatort Griesheim wird einer der Hauptstützpunkte der NSA in Deutschland vermutet. Deshalb stellte der Deutsche am 4. Juli eine Facebook-Veranstaltung mit dem Titel „NSA-Spion-Schutzbund e.V. lädt zum Entdecken und Beobachten ein“ ins Netz, wie der „Stern“ am Dienstag in seiner Onlineausgabe berichtet. Es sollte ein harmloser, gemeinsamer Spaziergang zum mutmaßlichen NSA-Komplex werden.

Was dann folgte, klingt wie eine Situation aus einem Agenten-Film: Fünf Tage nachdem der 28-Jährige den Facebook-Eintrag erstellt hatte, klingelte das Telefon, als er morgens noch im Bett lag. Die Person am anderen Ende der Leitung kam schnell zur Sache: „Wissen sie etwas über diese Veranstaltung?“ Noch bevor der Mann erkannte, worauf der Anrufer hinaus wollte, klingelten zwei uniformierte Polizisten an seiner Tür. „Reden sie mit den Beamten an der Tür!“, forderte der Anrufer.

Der Deutsche habe eigentlich nur mit anderen in Ruhe NSA-Spione beobachten wollen, berichtet der „Stern“ vom Facebook-Eintrag. Und Blumen sollten die Begleiter mitbringen, „um den Lebensraum der NSA-Spione etwas aufzupeppen.“

Doch irgendjemand fand das gar nicht lustig: Nach dem Besuch der Polizei in seiner Wohnung kam auch noch der Staatsschutz bei dem Griesheimer vorbei. Die hätten Fragen zu seiner politischen Gesinnung, seinen politischen Aktivitäten und einem möglichen Bezug zu gewaltbereiten Personen und zum „Schwarzen Block“ aus dem gewaltbereiten linken Spektrum gestellt. Außerdem sollte der 28-Jährige niemandem etwas von dem Gespräch erzählen, berichtet der „Griesheimer Anzeiger“. Bei einem Telefonat mit einem Beamten des Staatsschutzes habe er schließlich erfahren, dass die U.S.-Behörden hinter den Besuchen und Anrufen stecken.

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Trotz des Aufruhrs ließ sich der Deutsche nicht einschüchtern, meldete die Veranstaltung als Demonstration bei der Polizei an und spazierte mit rund 60 bis 70 Leuten los. „Mit Fahrrädern und aus Schuhkartons gebauten Pappkameras mit „NSA TV“-Schriftzug zogen die meist jungen Leute zu dem umzäunten Gelände“, schreibt „Echo Online“. Begleitet wurden die Spaziergänger laut „Spiegel“ von zwei Streifenwagen. Auf der anderen Seite des Zauns sei es übrigens still geblieben. Spione gab es demnach nicht zu sehen. (tt.com)


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