Heimische Industrie: Aufträge und Beschäftigung rückläufig

Katzenjammer in der österreichischen Industrie. Die Auftragseingänge sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland gingen zurück. Auch die Beschäftigung ist leicht rückläufig.

Wien - Nachdem die Ausfuhren, die für 70 bis 80 Prozent des gesamten Geschäfts verantwortlich sind, im ersten Quartal heuer im Vergleichszeitraum des Vorjahres um nominell 0,7 Prozent und die abgesetzte Produktion um nominell 1,0 Prozent auf 35,9 Mrd. Euro gesunken sind, fürchtet man in der Wirtschaftskammerbundessparte Industrie bereits, das Export-Niveau des Vorjahres 2013 nicht halten zu können.

Beschäftigung leicht rückläufig

„Auch die Beschäftigung ist leicht rückläufig, wir hoffen sie geht nicht noch weiter runter“, sagte Spartengeschäftsführer Manfred Engelmann am Dienstag vor Journalisten in Wien. Die Mitarbeiterzahl in den Industriebetrieben Österreichs sank alleine im ersten Quartal insgesamt um 5.191 Personen oder 1,2 Prozent. In der Industriekonjunktur gebe es bestenfalls eine Stagnation. Die Konjunktureinschätzung seitens der Industriefachverbände zeigt für das abgelaufene zweite Quartal ebenso eine pessimistische Entwicklung.

Engelmann bedauerte unter anderem, dass die Auftragseingänge sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland zurückgehen. „Bisher war es eigentlich immer so, dass wenigstens einer der beiden Werte ein Plus zeigte.“ Die wirtschaftliche Entwicklung in den beiden besonders wichtigen Exportmärkten Deutschland und Italien biete auch keinen Grund zur Freude. Hierzulande werde die Wirtschaft heuer auch nur „rund um Null“ stagnieren.

Der Fachverbandsgeschäftsführer erinnerte auch, dass die Rückgänge bei den Ausfuhren und bei der abgesetzten Produktion nominell sind. Real - um den Verbraucherpreisindex HVPI inflationsbereinigt - brach die abgesetzte Industrieproduktion gar um 3,5 Prozent ein. Die Auftragseingänge sanken um 2,2 Prozent nominell gegenüber dem ersten Quartal 2012. Hier gab es aber wenigstens im März ein Plus von nominell 1,2 Prozent - nach den Einbrüchen um 4,6 bzw. 3,4 Prozent im Jänner und Februar. Sowohl die inländischen als auch die ausländischen Auftragseingänge sanken im ersten Quartal um 1,2 Prozent auf 6,1 Mrd. Euro bzw. um 2,6 Prozent auf 16,0 Mrd. Euro.

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Es fehlt an ausreichend vielen Aufträgen

Einen nominellen Produktionsanstieg verzeichneten lediglich fünf Fachverbände: Gas/Wärme, Chemie, Bau, Nahrungsmittel und Fahrzeugindustrie.

Ein Plus bei den Ausfuhren gibt es nur in Märkten - wie etwa Nordamerika oder Afrika - die die Gesamtstatistik nicht aus dem Feuer holen. Fast 70 Prozent der Exporte gehen schließlich in die EU, deren wirtschaftliche Probleme noch nicht gelöst sind; und hier wurde für das erste Quartal ein Minus von 2,8 Prozent verzeichnet. Nach Italien brachen die Ausfuhren gleich um 9,2 Prozent ein, auch nach Deutschland um 2,6 Prozent. Weniger ausgeführt wurde überhaupt in 17 der im ersten Quartal noch 27 EU-Staaten (ohne Kroatien). Positiver Ausreißer unter den Staaten, die einen hohen Anteil an der EU-Wirtschaft haben, war einzig Frankreich - hier wurde ein Ausfuhrplus von 9,7 Prozent auf 1,47 Mrd. Euro verzeichnet.

Kein Wunder, dass daher, wie Engelmann ausführte, kein einziger der 18 Fachverbände der Industrie in der Wirtschaftskammer ein Plus bei den Aufträgen aufziehen sieht - Ausnahme: Schienenfahrzeuge. Nur ein Einziger prognostiziert mehr Mitarbeiter, ein Drittel sieht eher die Notwendigkeit kommen, weiter Arbeitsstellen zu kürzen. Außerdem, so Engelmann, sinke die Planbarkeit der Geschäfte. „Die Auftragsstruktur wird immer schwieriger; Angebote werden zunehmend kleiner, was mehr Aufwand bedeutet. Auch der Anteil uninteressanter Anfrage nimmt deutlich zu, ebenso aufwendig. Es fehlt an ausreichend vielen Aufträgen, die das Geschäft halten, die lukrativ sind.“ (APA)


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