„Kinderarbeit war ganz normal“

In Absam zeigt eine Ausstellung die Geschichte der Tiroler Frauen- und Kinderarbeit.

Von Dominic Dapré

Absam –Absam im 19. Jahrhundert: Industrielle Revolution und wirtschaftlicher Aufschwung charakterisieren diese Epoche. Dass die Schornsteine der Fabriken aber ohne Arbeiter nicht rauchen, wusste man auch schon damals – was dazu führte, dass sogar zehnjährige Buben und Mädchen zum 13-Stunden-Dienst verdonnert wurden.

Im Absamer Gemeindemuseum wird derzeit in einer Ausstellung die Geschichte der Frauen- und Kinderarbeit in Tirol aufbereitet. Anlass dazu gab der Fund zweier historischer Dokumente: dem Mannschaftsbuch vom Salzberg von 1839 und dem Verzeichnis der Ein- und Austritte in der Absamer Spinnfabrik von 1845. Diese Bücher aus einer längst vergangenen Zeit legen Zeugnis davon ab, dass Kinderarbeit damals nicht verpönt war. Im Gegenteil: Sie wurde sogar als pädagogisches Konzept aufgegriffen. „Heute denkt man bei Kinderarbeit sofort an die Ausbeutung von Kindern in der Dritten Welt. Im 19. Jahrhundert war das aber ganz normal und weit entfernt vom moralischen Tabu“, erklärt Museumsleiter Matthias Breit.

Dank der beiden Funde sei es zum ersten Mal möglich, einen tieferen Einblick in die Hierarchien der Firmen zu bekommen. „So wird auch ganz schnell deutlich, wie die Industrialisierung zu einer Abstufung der Arbeitskräfte geführt hat: Höhere Positionen bekleideten nur Männer, Frauen und Kinder wurden je nach Bedarf für niedere Tätigkeiten eingesetzt“, ergänzt Breit.

Die Führung, die das Museum zum Thema anbietet, ist in zwei Teile gegliedert: Im ersten Teil werden besagte Fundstücke präsentiert, den zweiten Teil bildet ein Rundgang durch die Räumlichkeiten des Museums. Dort erwartet die Besucher etwa altes Originalwerkzeug oder ein maßstabsgetreues Modell des Stollensystems im Salzbergbaugebiet Halltal, das den Menschen des 19. Jahrhunderts bei der Orientierung im Bergwerk half.

Angeboten werden vier Führungen nächsten Samstag und Sonntag sowie am 27. und 28. Juli jeweils um 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.


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