Verschachtelte Theaterträume

Beim Zillertaler Theaterfestival „Steudltenn“ packt die ganze Familie mit an. Mit voller Kraft und viel Herzblut: Wie bringt man sonst einen Pinguin von Uderns nach New York?

Von Christiane Fasching

Uderns –Hölzern. So sieht der Stadl in Uderns aus, in dem einst mit Speck, Schnaps und Honig gehandelt wurde – im Gegenzug gab’s für die tauschfreudigen Bauern Stoffe. Und die gibt’s bis heute, wenngleich sie nicht als Meterware unters Volk gebracht werden. Seit 2011 hat sich der Stadl auf dem ehemaligen Marktplatzl in Uderns zur Herberge für Theaterstoffe gewandelt und sich die Marke „Steudltenn“ auch außerhalb des Zillertals einen Namen gemacht.

Geleitet wird das Festival vom gebürtigen Wiener Hakon Hirzenberger und seiner Frau Bernadette Abendstein, die in Uderns aufgewachsen und ihren jetzigen Mann beim Theaterspielen in Wien kennen gelernt hat. „Ich hab’ mir schon immer gedacht, dass es lässig wäre, wenn meine Leut’ sehen könnten, was ich so mache. Aber man kann ja nicht ganz Uderns nach Wien kutschieren, also hab’ ich mir gedacht, dass wir’s umgekehrt machen“, lacht Abendstein, die beim heurigen Programm in zwei Produktionen auf der Bühne steht. Gatte Hakon zieht lieber im Hintergrund die Fäden: Als Regisseur und Autor. Und bei Bedarf auch als Techniker. „Ich bin das Mädchen für fast alles“, schmunzelt der Wahl-Zillertaler, der schon als Knirps ganz verschossen in die Bühne war. „Ich hab’ mit sechs Jahren begonnen, Zündholzschachtel-Theater zu basteln und Opern zu inszenieren: Meine armen Eltern mussten sich meine Sechs-Stunden-Fassung der ,Meistersinger von Nürnberg’ in voller Länge anschauen. Das rechne ich ihnen bis heute hoch an“, erzählt Hirzenberger, aus dem beinahe ein Jurist geworden wäre. Nach einer gescheiterten Aufnahmeprüfung am Reinhardt-Seminar quälte er sich nämlich ein paar Semester durchs Jus-Studium, bis ihn Elfriede Ott unter ihre Fittiche und in ihre Schauspielschule aufnahm. Hat er es jemals bereut, diesen Weg gewählt zu haben? „Nein! Ich wäre ein erbärmlicher Anwalt geworden“, ist Hirzenberger überzeugt. Genauso überzeugt ist er vom „Steudltenn“-Konzept, das ohne familiäre Unterstützung aber unmöglich wäre. Arbeitstechnisch und finanziell sei das Festival eine Gratwanderung, betont auch Abendstein, die froh um die elterliche und geschwisterliche Hilfe ist, aber trotzdem nicht unglücklich über eine Aufstockung öffentlicher Gelder wäre.

Hirzenberger geht noch einen Schritt weiter. „Wir bräuchten halt auch so einen Mäzen wie Hans Peter Haselsteiner“, lacht er. Wenn’s um die Pläne für „Steudltenn“ geht, wird er aber wieder ernst. „Wir wollen hier auch weiterhin Theater für alle Altersklassen machen – vom Enkel bis zur Oma sollen bei uns alle auf ihre Kosten kommen“, wünscht er sich. Und rührt die Werbetrommel für die anstehende Eigenproduktion „Mönche mögen’s heiß“, die als Koproduktion mit dem Wald4tler Hoftheater entstanden ist und ein heikles Thema anpackt. In der Komödie verknallt sich eine verheiratete Frau in einen Priester. Wird man für diesen Stoff im Zillertal nicht gekreuzigt? „Ich hoffe nicht“, sagt Hirzenberger und betont, dass er versucht habe, „eine respektvolle Komödie zu schreiben“. Christliche Traditionen wolle er nicht verteufeln, die Rolle der Frau dürfe aber auch nicht ausgeklammert werden. Bei der Recherche und beim Schreiben wurde er übrigens von dem im Jänner verstorbenen Altbischof Reinhold Stecher unterstützt. „Das waren unglaubliche tolle und fruchtbare Gespräche“, erinnert er sich. Und blickt schon wieder nach vorne: Sein Kinderstück „Nelson in New York“, das die Geschichte eines reisefreudigen Pinguins erzählt, will er nämlich irgendwann in den „Big Apple“ hieven. Schließlich kann man ja nicht ganz New York nach Uderns einfliegen lassen.


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