Die Kunst des Krawattenbindens

Marcus Markou erzählt in „Papadopoulos & Söhne” die Finanzkrise als Komödie.

Innsbruck –Unter den mittlerweile wahrscheinlich Millionen von sinnlosen Applikationen für das Smartphone sticht jene besonders hervor, die das akkurate Binden einer Krawatte demonstriert und nur den Zweck verfolgt, in der Überwachungszentrale das Entstehen einer Idee zu dokumentieren: Achtung! Hier entwickelt jemand Ehrgeiz.

Harry Papadopoulos (Stephen Dillane) beherrscht einen tadellosen Windsorknoten, den er zur Überreichung der Kristallvase für den Europäischen Unternehmer des Jahres benötigt. Er registriert natürlich die Verachtung des Laudators für den griechischen Aufsteiger in die britische Oberklasse, deren Sprache er zu imitieren versucht. Aber bereits am nächsten Tag hat die Bankenkrise den Spekulanten in einen Sozialfall verwandelt und schon wird die Krawatte nachlässiger gebunden.

Harry wollte ohne Eigenmittel mit einem Londoner Einkaufszentrum das ganz große Ding (1,6 Milliarden Pfund) drehen, doch mit der Pfändung von Rolls Royce, Villa und luxuriöser Firmenzentrale schwinden Mehrwert und Selbstwertgefühl. Butler, Chauffeur und Gärtner werden entlassen. Letzterer übte ohnehin einen ungünstigen Einfluss auf Harrys Sohn James (Frank Dillane) aus, der dem Gedeihen von Pflanzen mehr Aufmerksamkeit widmet als dem Jusstudium, um künftig dem Konzern dienen zu können. Tochter Katie­ (Georgia Groome) verfügt über keine Ambitionen, weshalb die Erfahrung der Armut bei ihr Kreischalarm auslöst. Der kleine Theo (Thomas Underhill) beobachtet die Entwicklung mit der Gelassenheit des Computergenies. Der Zehnjährige bastelt unbemerkt von der Familie an einem eigenen Imperium.

Eine Familienimmobilie ist allerdings vom Insolvenzverfahren ausgenommen, da Harrys Bruder Spiros (Georges Corraface) im Grundbuch eingetragen ist. Spiros ist der Alexis Zorbas in der Familie, er tanzt den Ouzo und trinkt den Sirtaki oder umgekehrt, wenn verantwortungsvolles Handeln gefordert wird. Die fragliche Immobilie ist eine heruntergekommene Fish & Chips-Bude. Das Firmenschild „Die drei Brüder” erinnert an den ältesten Papadopoulos, der beim Weihnachtsmassaker 1963 in Zypern sein Leben für Harry und Spiros geopfert hat. Da bleibt der Film einigermaßen vage, da hauptsächlich türkisch-zyprische Zivilisten die Opfer von Polizeigewalt wurden. Die verdrängte Geschichte erinnert Harry an seine Wurzeln, was ihn dazu bringt, gänzlich auf seine Krawatte zu verzichten. Marcus Markou propagiert damit augenzwinkernd jenseits der Krise das Glück der kleinen Dinge. (p. a.)


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