Kein Vergleich für „Concordia“-Kapitän Schettino

Der Vorschlag Francesco Schettinos, sich auf eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren zu einigen, sei angesichts der gravierenden Vorwürfe „unangebracht“, so die Staatsanwaltschaft. Schettino muss sich unter anderem wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung verantworten.

Grosseto - Beim Prozess um die Havarie des Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“ vor der toskanischen Insel Giglio hat sich die Staatsanwaltschaft der toskanischen Stadt Grosseto gegen die Forderung des angeklagten Kapitäns, Francesco Schettino, auf einen Vergleich erklärt. Der Vorschlag Schettinos, sich auf eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren zu einigen, sei angesichts der gravierenden Vorwürfe gegen den Kapitän „unangebracht“, betonten die Staatsanwälte. Über Schettinos Forderung muss Richter Giovanni Puliatti entscheiden.

Der Kapitän, der am Mittwoch vor Gericht erschien, ist der einzige Angeklagte im Prozess um die Havarie des Kreuzfahrtschiffes. Schettino muss sich wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung, Verursachung von Umweltschäden und Verlassen eines Schiffes in Seenot verantworten. Ihm drohen bis zu 20 Jahre Haft. Offiziell hatte der Prozess bereits vor einer Woche begonnen, er war allerdings wegen eines landesweiten Anwaltsstreiks nach nur wenigen Minuten vertagt worden. Der Prozess wird am Donnerstag und Freitag fortgesetzt, verhandelt wird jeweils von 10.00 bis 18.00 Uhr.

Wichtige Zeugin streitet Beziehung zu Schettino ab

Zur Verhandlung am Mittwoch erschien auch die 26-jährige Moldawierin Domnica Tschemortan. Sie soll sich zum Zeitpunkt des Unglücks mit Schettino auf der Kommandobrücke des Schiffes aufgehalten haben. Die Frau bestritt vor Journalisten, dass sie jemals eine Beziehung zum Kapitän zugegeben hatte, wie italienische Medien berichtet hatten. Diese Gerüchte hätten ihr Ansehen verletzt und ihr die Suche nach einer Beschäftigung in Italien erschwert.

4228 geschädigte Personen beteiligten sich am Verfahren. Zugelassen wurden am Prozess 242 Privatbeteiligte. Zu ihnen zählen auch das italienische Umweltministerium und der Umweltschutzverband WWF Italia.

Die „Costa Concordia“ hatte am Abend des 13. Jänner 2012 bei einem riskanten Manöver einen Felsen gerammt und war nur wenige Meter vor Giglio leckgeschlagen. Schettino verließ das Schiff und kehrte trotz mehrfacher Aufforderung der Hafenbehörde nicht an Bord zurück, während die meisten Passagiere noch versuchten, sich in Sicherheit zu bringen. Laut Staatsanwalt Verusio hatte Schettino ein als „Verneigung“ bezeichnetes Manöver vor der toskanischen Insel Giglio durchgeführt, um ein einen mit dem Kapitän befreundeten Mitarbeiter der Costa einen Gefallen zu machen, da seine Angehörigen auf der Insel Giglio lebten.

(APA)


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