Giftiges Schulessen in Indien: 20 Kinder tot, Dutzende im Spital

Die acht- bis zehnjährigen Kinder haben in einer Schulkantine gegessen. Hunderte protestierten gegen die Regierung des Bundesstaats Bihar.

Patna – Ein vergiftetes Mittagessen in einer indischen Schulkantine hat noch schlimmere Konsequenzen als zunächst angenommen: Bis Mittwoch starben nach Angaben der Behörden mehr als 20 Kinder an den Folgen der kostenlos verteilten Mahlzeit aus Reis, Gemüse und Linsen. Etwa 30 weitere Kinder wurden noch im Krankenhaus behandelt. Bei Protesten von Angehörigen gegen die Regierung gab es gewaltsame Ausschreitungen.

Die Zahl der Todesopfer sei auf 22 gestiegen, sagte ein Vertreter der Regierung des armen ostindischen Bundesstaates Bihar. Die meisten von ihnen - alle jünger als zehn Jahre - wurden unter der Trauer und dem Zorn ihrer Angehörigen am Mittwoch unweit der staatlichen Schule des Dorfes Masrakh im Distrikt Saran beigesetzt. Ersten Ermittlungen zufolge könnten giftige Pestizide in dem Schulessen die Ursache für die Tragödie sein.

Ein verzweifelter Vater berichtete unter Tränen von den Geschehnissen am Dienstag: „Meine Kinder sind zur Schule gegangen, um zu lernen. Sie kamen weinend zurück und sagten immer wieder, dass sie Schmerzen haben. Ich nahm sie in den Arm, aber sie weinten immer weiter. Sie sagten, dass ihr Bauch entsetzlich weh tut.“ Er sei dann zur Schule gerannt, um zu erfahren, was los sei, sagte der Vater dem Fernsehsender NDTV. Dort habe er „viele Kinder auf dem Boden liegen sehen“.

Zornige Menschen zogen aus Protest gegen die Regierung durch die Straßen der Distrikthauptstadt Chhapra. Sie schlugen die Fenster von Polizeibussen und anderen Autos ein. „Hunderte wütende Menschen haben sich an der Aktion beteiligt“, berichtete Regierungsvertreter S.K.Mall. Sie forderten eine harte Strafe für die Verantwortlichen.

Bihars Regierungschef Nitish Kumar ordnete bereits eine Untersuchung an. Ein Team aus Forensikern sei an die Schule entsandt worden, um die Todesursache zu klären, teilte er mit. Nach Angaben eines Regierungsvertreters könnte die Ursache Phosphat von Insektiziden sein, mit denen das für das Essen genutzte Gemüse behandelt worden sei. Dies könne aber erst nach einer eingehenden Untersuchung geklärt werden. Kumar kündigte an, dass die Familien der toten Kinder eine Entschädigung von umgerechnet gut 2.500 Euro erhalten sollen.

Rund 120 Millionen Kinder erhalten in Indien kostenloses Essen an staatlichen Schulen. Durch das Programm soll die Ernährung verbessert und auch die Anwesenheitsquote gesteigert werden. Wegen Hygienemängeln oder minderwertiger Zutaten gibt es jedoch immer wieder Lebensmittelvergiftungen. In den letzten Jahren haben steigende Lebensmittelpreise den Leidensdruck der 455 Millionen Inder stetig erhöht, die unter der Armutsgrenze leben. (APA/AFP)


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