Köhle lernte erst wieder lachen

Trotz vieler körperlicher Verletzungen verursachte eine seelische bei der Skifahrerin Stefanie Köhle aus Fließ einen Motivationsknick – den sie immer noch geradebiegt.

Von Susann Frank

Innsbruck –Manchmal lassen die Gedanken Stefanie Köhle abends im Bett nicht zur Ruhe kommen. Sie kreisen dann unaufhörlich um die Geschehnisse bei der alpinen Heim-WM vergangenen Februar in Schladming. Grübelnd liegt die 27-Jährige schließlich wach.

Dass die Sölden-Dritte von 2012 weder beim Super-G noch beim Riesenslalom ins Rennen durfte, stimmt sie nachdenklich. Ebenso die Tatsache, wie ihr nach der harten WM-Vorbereitung die Nachricht vom damaligen ÖSV-Damen-Cheftrainer Herbert Mandl überbracht wurde: „Ich bin mit fünf Sätzen abgespeist worden. Das war nicht die feine englische Art“, ärgert sich Köhle noch heute.

Positiv ist, dass die Fließerin nur noch selten vor dem Einschlafen daran denkt. Das war und ist jedoch harte Arbeit. Ihr Fitnesstrainer Gerhard Außerlechner empfahl der Tirolerin einen Mentaltrainer, zumal es ihr nach der Saison schwerfiel, sich wieder aufzuraffen. „Von Rücktrittsgedanken möchte ich nicht sprechen, aber von einem Motivationsknick – und der geht nicht von heute auf morgen weg“, gesteht Köhle: „Das zu verarbeiten, ist meine größte Herausforderung.“ Mit körperlichen Verletzungen täte sie sich viel leichter.

Durch viele bittere Erfahrungen: Vier Operationen im linken Knie (inklusive zweier Kreuzbandrisse), zwei im rechten (inklusive gespaltener Kniescheibe) lassen den Karriereverlauf der gerade 27-Jährigen wie den einer Mittdreißigerin aussehen. So handelt die österreichische Nationalmannschaftsfahrerin ihre Operation Ende April auch mit wenigen Sätzen ab. Obwohl sich nach dem eigentlich leichten Eingriff der Metallentfernung im linken Knie die Patellarsehne entzündet hatte und Köhle drei Wochen pausieren musste. Obwohl sie vergangene Woche bei einer weiteren Untersuchung von einem Knorpelschaden in diesem Knie erfahren hat. „Jetzt mache ich eine Aufbaukur, die drei Monate dauert. Dafür habe ich ja noch Zeit.“ Erst im September steht die entscheidende Belastungsprobe beim Trainingskurs auf Skiern und Schnee an.

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Bis dahin absolviert Köhle ein intensives Krafttraining („Am Oberkörper bin i beinand’ wie a Maschin’“) und holt sich die Ausdauer auf Inline­skates. Sportliche Ziele für den Winter anzugeben, ist für sie derzeit so unrealistisch, wie schmerzfrei Kniebeugen absolvieren zu können. Bei so manchen Übungen muss sie beim Training die Zähne zusammenbeißen. Das Lachen hat Köhle trotzdem nicht verlernt. Die Augen der Dunkelhaarigen strahlen geradezu vor Lebenslust. „Auch das musste ich wieder lernen. Die Frohnatur, die ich bin, die war nach der Saison verschwunden.“

Ihr Mentaltraining baut auf – ebenso wie der Trainerwechsel und der Urlaub nach der Saison. Bei Jürgen Kriechbaum, der nach seinem Amtsantritt mit ihr ein langes Telefonat führte, fühlt sie sich wohl. Ein zweiwöchiger Urlaub auf Bali hat ihr wieder vor Augen geführt, was im Leben oberste Priorität hat: „Gesundheit und Zufriedenheit. Die Menschen dort sind so arm und sind so zufrieden. Etwas, das bei uns verloren geht.“

Etwas, das sie von der Insel in die Berge mitgenommen hat. Etwas, das ihr bei aufkommender Unruhe nachts beim Einschlafen hilft.


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