Novartis leidet weniger als befürchtet unter Konkurrenz

Der Basler Arzneimittelhersteller rechnet im laufenden Jahr mit einem Anstieg des Umsatzes um einen niedrigen einstelligen Prozentbetrag.

Zürich – Dem Schweizer Pharmakonzern Novartis macht die Generika-Konkurrenz für seinen Top-Umsatzbringer weniger zu schaffen als befürchtet. Der Basler Arzneimittelhersteller rechnet im laufenden Jahr unter Ausschluss von Wechselkurseinflüssen nun mit einem Anstieg des Umsatzes um einen niedrigen einstelligen Prozentbetrag, nachdem er bisher von verharrenden Umsätzen ausgegangen war. Der um Sonderfaktoren bereinigte operative Gewinn dürfte nur um einen niedrigen einstelligen Prozentbetrag sinken und nicht wie bisher veranschlagt um einen mittleren. „Dank der erfolgreichen Geschäfte mit Wachstumsprodukten konnten wir ablaufende Patente und neue Konkurrenz wettmachen, während wir gleichzeitig unsere Präsenz in Wachstumsmärkten wie China und Russland ausbauten“, erklärte Konzernchef Joseph Jimenez am Mittwoch.

An der Börse stießen die besseren Geschäftsaussichten kaum auf Resonanz. Die Novartis-Aktien rutschten leicht ins Minus auf 68,85 Franken (55,65 Euro). Einige Analysten hatten eine Anhebung der Jahresprognose schon erwartet. Bereits nach dem ersten Quartal hatte sich abgezeichnet, dass Nachahmerprodukte für den Blutdrucksenker Diovan in den USA nur zögerlich auf den Markt kommen. Der Patentschutz für das Medikament war im wichtigen Pharmamarkt USA im September 2012 ausgelaufen.

Die Schweizer befinden sich in guter Gesellschaft. Der US-Pharma-und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson hatte am Dienstag nach einem guten zweiten Quartal seine Jahresprognose angehoben.

Im zweiten Quartal verdiente Novartis allerdings weniger. Unter dem Strich stand im Zeitraum April bis Juni ein Gewinn von 2,55 Mrd. Dollar (1,9 Mrd. Euro). Das sind fünf Prozent weniger als vor einem Jahr. Der Konzern erfüllte damit knapp die Erwartungen der Analysten. Der bereinigte operative Gewinn sank um zwei Prozent auf 3,76 Mrd. Dollar.

TT-ePaper gratis testen und 5 x 1.000 € Geburtstagsgeld gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Die Verkaufserlöse stiegen im zweiten Quartal um ein Prozent auf 14,49 Mrd. Dollar. Der Konzern bekam neben den wegsackenden Diovan-Umsätzen auch die Stärke der Konzernwährung Dollar zu spüren - in Lokalwährungen betrug das Plus drei Prozent. Für einen Schub sorgten junge Präparate wie die Tablette Gilenya gegen Multiple Sklerose oder die Krebsmittel Afinitor, Tasigna und Jakavi. Die Verkaufserlöse der von Novartis als Wachstumsprodukte definierten Medikamente nahmen um 13 Prozent zu und steuerten mit 4,5 Mrd. Dollar rund ein Drittel zum Konzernumsatz bei.

Bei Akquisitionen will sich Konzernchef Jimenez auf ergänzende Zukäufe konzentrieren, die in einer Größenordnung von 2 bis 5 Mrd. Dollar liegen. Großübernahmen schloss er nicht aus, verwies aber darauf, dass Novartis in den vergangenen Jahren finanzielle Disziplin bewiesen habe.

Novartis zahlt seinem früheren Präsidenten Daniel Vasella für seine Beratertätigkeit nach seinem Ausscheiden ein Millionensalär. Außerdem garantiert das Unternehmen ihm bis 2016 weitere Honorare. Vasella bekomme für seine Dienstleistungen 2,7 Mio. Franken in bar plus Aktien mit einem aktuellen Marktwert von 2,2 Mio. Franken. Ab November dieses Jahres stehe Vasella für weitere Beratungstätigkeiten dann ein Tageshonorar von 25.000 Dollar zu. Sein Beratervertrag läuft bis Ende 2016. In den kommenden drei Jahren wird er mindestens 750.000 Dollar bekommen.

Vasella war Ende Jänner als Präsident zurückgetreten. Er sollte zunächst eine Abgangsentschädigung von 72 Mio. Franken erhalten. Nach öffentlicher Kritik wurde der Vertrag wieder aufgehoben. Vasella gilt als Architekt von Novartis und als einer der bestbezahlten Manager der Schweiz. Nach Schätzungen von Medien hat er seit 2000 insgesamt fast 400 Mio. Franken bei dem Pharmakonzern kassiert. Anfang August wird der frühere Bayer-Manager Jörg Reinhardt Verwaltungsratschef bei Novartis. (APA/Reuters)


Kommentieren


Schlagworte